Schlagwort-Archive: 60er Jahre

Tandem

Wenn alte Markthasen keine guten Absätze beim Verkauf machen, lassen sie sich etwas Neues einfallen.
johannamaria und ich wollen fusionieren und gemeinsame Produkte entwerfen. Sie druckt, ich nähe und stricke. Was liegt da ferner, ihre schönen Objekte auf meine Stoffe zu bringen?

Bereits vor einigen Wochen begannen wir mit einer Recherche in den Bücherhallen nach Techniken des Stoffdrucks und möglichen Motiven. Vor meinem Urlaub besuchte ich dann johannamaria in ihrer Werkstatt, und wir probten zunächst mit klassischen Druckfarben auf Stoffresten, um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Parallel arbeiteten wir mit Schablonen, hier ließ sich die Farbe besser auftragen.

Am Montag trafen wir uns für einen zweiten Produktionsversuch, diesmal hatte johannamaria Textilfarben gekauft und einige Blumenmotive aus Linoleum geschnitzt. Ich hatte bergeweise Stoff aus alten Gardinen bei meinen Eltern abgestaubt und bei meinen Kellerforschungen die nicht mehr am Leben geglaubte Zitronenschablone gefunden. Mit ihr hatte ich einst im Alter von ca. 14 Jahren meiner Mutter eine Tischdecke genäht und mit großen Zitronen bedruckt.

Nach einem leckeren Frühstück machten wir uns ans Werk. Ich hatte drei kleine serviettengroße Stoffstücke vorbereitet, um einen realistischen Eindruck von Größe und Position zu erhalten.

Am besten hat uns das schlichte Blumenmotiv in rot gefallen (hier noch einzeln gedruckt, später hat johannamaria sie zu einem Stempel zusammengefügt). Wir treffen uns bald wieder und starten eine Miniserie, die wir euch auf dem kommenden Markt im November in der Honigfabrik präsentieren werden.

Serviette_Blumen_rot

Tulpenform mit Kellerfalten

Das hört sich erstmal exquisit an, wenn man im Nähgenre nicht beheimatet ist. Und so geht es mir, die ich nun dank des Labels schnittchen.com meine ersten Kleidungsstücke nähe, ohne eine Expertin im Hintergrund, die mic durch das Labyrinth der Nähanleitungen führen muss. Eine burda-Anleitung setzt – egal, ob einfacher oder schwieriger Schnitt – immer schon ein gewisses Fachwissen voraus, das im Text nicht erklärt wird. So weit bin ich jedoch nicht – und bin dankbar, dass es auch Anleitungen gibt, bei denen man ganz klein beginnen darf.

Die Überschrift bezieht sich auf mein zweites Projekt nach meinem erfolgreich abgeschlossenen Projekt „Kleid“: mein erster Rock. Das Schnittmuster hatte ich in Sonntagsmorgenslaune herauskopiert, der Stoff war schnell ausgewählt, da mich sowohl die Mustervielfalt als auch das Material des Stoffes für mein Kleid überzeigt hatten.

Die besagten Kellerfalten im vorderen Teil (Bild unten links) machten mir zunächst etwas Sorgen, und ich hatte nach einem Knoten im Kopf irgendwann den Dreh raus. Zudem hatte ich lange keine Reißverschlüsse mehr eingenäht. Aber auch dies gelang recht gut.

Was am Ende wirklich nicht passte, war der Bund. Der gerade Streifen rund um meine Taille wollte sich nicht anschmiegen, sondern stand ab, so dass ich gezwungen war, die Seitennähte zu verlängern, um ihn etwas konisch zu formen.

Ich habe ihn bereits einmal getragen und fand ihn recht angenehm. Die beste Lösung wäre aus meiner Sicht ein leicht dehnbarer Bund (ohne Reißverschluss). Vielleicht beim nächsten Projekt …

Der Charme der 60er Jahre

Eine Folge davon, dass ich mich (erneut) im „Mad Men“-Fieber befinde, ist der Wunsch, wieder Kleider zu tragen, insbesondere in Mustern und Schnitten, die denen der 60er und 70er Jahre nahekommen.

Der neue Stoffladen meines Vertrauens hält zurzeit viele Retrostoffe bereit, und da ich mich vor kurzem dem Jerseystoff genähert habe, hatte ich nun Mut, es erneut zu probieren, um ein Kleid zu nähen. Für knappe 20 EUR erstand ich einen wunderschönen Jacquardstoff (100 % Baumwolle, jedoch stretchig wie Jersey).

Den Schnitt namens Jeannie bestellte ich bei „schnittchen.com“, ein Berliner Label mit Modellen, die besonders für NähanfängerInnen geeignet sind. Angenehm ist bei den Schnitten, dass man sie direkt aus dem Bogen herausschneiden kann, ohne sie zu übertragen und die Naht- und Saumzugaben bereits enthalten sind und nicht mehr hinzugerechnet werden müssen.
Im Nähblog von „schnittchen.com“ zeigen Frauen ihre nachgenähten Modelle. Und so wurde ich erst aufmerksam, da der ausgewählte Stoff des Originals (silberglänzend!) verhinderte, dass ich mir den Schnitt des Kleides überhaupt ansah. Erst der Eintrag von Trine aus Dänemark zeigte mir, dass sich der Schnitt sehr gut für Retrostoffe eignet. Sie hat noch ein paar Änderungen vorgenommen, diese habe ich jedoch nicht übernommen und habe es ersteinmal nach der Schritt-für-Schritt-Anleitung versucht, die durch die Ergänzung von Zeichnungen (abrufbar über die Website) sehr gut war.
Trotz wenig Näherfahrung (was Kleidung betrifft), schaffte ich es ohne große Schwierigkeiten, das Vlies an den richtigen Stellen aufzubringen, den Rockschlitz zu nähen und Ober- und Unterteil mit der richtigen Wickeloptik aneinanderzunähen.

Durch den Stretchanteil des Stoffes konnte ich zum Glück auf einen Reißverschluss verzichten. Aufregend bis zur letzten Minute war, ob die anvisierte Größe passen würde, da ich mich laut der angegebenen Maßtabelle zwischen Größe 36 und 38 bewegte, das abgebildete Model mit meiner Körpergröße Größe 36 trug, was mir tendenziell eher zu eng/klein ist.

Da der erste Versuch nun so gut geklappt hat, und das Kleid sich bereits beim ersten Anziehen sehr gut anfühlte, erwäge ich, mir den Stoff noch in einem anderen Farbton zu kaufen …

Kleid_Schalkragen_Blog5

Recycling intensiv

Nicht aufschieben und nicht wegwerfen – unter diesem Thema ging ich den vorletzten Sonntag an. Mehrere Projekte warteten darauf, von mir ausgebessert zu werden:

  1. einige Schnüre meiner Bettwäsche, die beim Schleudergang abgetrennt wurden (auch das Bettlaken war kiebig und hatte ein Loch in das Netz gerissen, von dem es eigentlich geschützt werden sollte),
  2. mein Prag-T-Shirt, dessen Aufdruck ich rettete, um ihn auf ein anderes T-Shirt zu nähen,
  3. der Schlag meiner Woodstock-Hose, der in Gedanken an die wilden 60er doch etwas groß ausgefallen war und zu möglichen Unfällen geführt hätte (sich mit der Fußspitze im Hosenbein verheddern und dann der Länge nach hinfallen – praxiserprobt!) und
  4. meine geliebte Röhrenjeans, die beim Schneidersitz auf dem Sofa einen furchterregenden Laut von sich gab und neben der Schrittnaht riss.

Für die Jeans-Projekte 3 und 4 habe ich mir eine Jeans-Nähnadel für meine Maschine gegönnt, das Nähen war wirklich entspannter (keine Angst, dass einem im nächsten Moment die Nadel um die Ohren fliegt!).
Das Ausbessern der Hose hat sich sehr gelohnt, ursprünglich wollte ich mir gleich eine neue Hose kaufen und bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass ich das Loch noch flicken könnte. Zum Glück haben sich schon andere Menschen mit dem Thema befasst, so dass ich dank eines wunderbaren Tutorials meinen Plan geschwind in die Tat umsetzen konnte. Vielen Dank an die Bloggerin!

Die Naht ist verdeckt und beim Tragen nicht sichtbar, hier zwei Fotos (einmal von innen, einmal von außen):

Naht innen Naht außen

Fotos meiner wunderschönen neuen Schlaghose folgen!

Umnäh-Tag

Es gibt die Tage, an denen man Neues erschafft und Tage, an denen man Altes in neuem Glanze erstrahlen lassen möchte.

Heute war zweiteres angesagt:

  1. Meine Woodstock-Hose, die sich nach einem Jeans-Dreieck sehnt, das sie zur Schlaghose verwandelt und ihre Stickerei zur Geltung bringt. Netterweise hat mir meine Mutter vor einiger Zeit alte Jeans-Hosen von sich mitgebracht, so dass ich entsprechendes Material zum Nähen habe. Das Nähen war letztlich nicht der zeitraubende Teil, sondern das Auftrennen der Nähte. Von 15 bis 17 habe ich regelmäßig irgendwelche Beinnähte aufgetrennt, wieder zusammengenäht oder Stoffe eingenäht. Dies ist nun aber auch schon ein paar Jahre her, und ich habe mittlerweile vergessen, wieviel Zeit es braucht. Ergebnis: mein Augenmaß war ganz zufriedenstellend, auch die Nähte sind gut, evtl. nähe ich den Schlag doch noch eine Wenigkeit kleiner, da ich ansonsten Angst habe, dass ich vorne mit dem Schuh drin steckenbleibe (leider hatte ich schon mal einen kleinen Unfall mit dieser Art von Hose, was ich an dieser Stelle nicht vertiefen möchte). Bild folgt beim ersten Tragen.
  2. Meine neue IKEA-Bettwäsche macht mich sehr glücklich – sie ist grau-weiß gepunktet. Was ich allerdings gar nicht gut haben kann: wenn Größe von Bettdecke und -bezug einige Zentimeter voneinander abweichen, was dazu führt, dass man Stofffalten an den Kanten hat. Irgendwann wurde es mir zu bunt, und ich habe mal ausgemessen, wieviel zu groß der Bezug ist. Ich kam auf erschreckende 10 cm an den Längsseiten und 15 cm am Kopfende. Radikal bin ich zu Werke gegangen und habe die entsprechenden Kürzungen vorgenommen. Ich sage euch: ein Traum!