Literatur
Literatur-Tipps aus verschiedenen Genres
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Ja, aber
Einen lang gehegten Lesewunsch habe ich vor kurzem umgesetzt – und wurde nicht enttäuscht.
Der Roman „Aberland“ von Gertraud Klemm ist ein sehr treffendes Portrait über zwei Frauen verschiedener Generationen (Mutter und Tochter), die sehr unterschiedliche Leben führen, jedoch in dieselben Weiblichkeitsfallen tappen. Beide machen sich abhängig von ihren Ehemännern, die sie nur halbherzig lieben, und sich deshalb von Zeit zu Zeit Nähe und Anerkennung bei anderen Männern suchen. Sie scheinen gefangen in gesellschaftlichen Konventionen, beide auf ihre Weise.
Die Tochter trauert ihrer begonnenen Dissertation über Zebrafische nach, die sie nach der Geburt ihres Sohnes auf Eis gelegt hat, und zu der er ihr nun, wo dieser größer ist, der Zugang abhanden gekommen scheint. Alles kostet so viel Mühe und Kraft, da wäre es doch einfacher, sich ganz der Mutterrolle zu widmen, um diese Gehirngespinste, ihren Mann zu verlassen und zusammen mit dem Sohn zu leben, eigenes Geld zu verdienen, zu vertreiben.
Die Mutter hat sich nach der ersten Affäre ihres Mannes von einem Notar durchrechnen lassen, was ihr im Falle einer Scheidung zustehen würde, und nach dem ernüchternden Ergebnis diesen Gedanken wieder verworfen.
Getraud Klemm erzeugt durch ihren Schreibstil mit vielen langen Sätzen eine gewisse Atemlosigkeit. Und so erging es mir auch beim Lesen: ich war atemlos, hin- und hergerissen, ob mich die geschilderten Situationen traurig machen, wütend machen oder belustigen sollten. Das Ende des Buches lässt einen positiv hoffen, keine wirkliche Wende, aber ein neuer Anfang.
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Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied?
Je älter ich werde, desto kritischer schaue ich auf viele Dinge, an denen ich mich noch vor ein paar Jahren nicht gestoßen hätte. Nun habe ich seit einiger Zeit vermehrt Gespräche mit Gleichaltrigen – also Mitdreißigern – über Themen wie Lebensziele, Lebenskrisen, Erwartungen, den Sinn des Lebens. Teilweise aus Interesse, wie mein Gegenüber reagiert, teilweise aus aktuellem Anlass (z.B. vorübergehende Arbeitslosigkeit, Trennung vom Partner, erstes Kind).
Bei manchen dieser Gespräche läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter. Ich bin entsetzt über die konservativen FDP-getränkten Einstellungen, die vertreten werden. Trotz Arbeitslosigkeit oder Beschäftigung in prekären Verhältnissen als Selbstbetroffene oder bekannt aus der eigenen Familie/Verwandtschaft, äußern diese Menschen Sätze à la „Wer will, findet auch Arbeit.“, „Wir haben trotz Sozialhilfe gut gelebt. Wir waren mit wenig zufrieden.“, oder eben das altbekannte Sprichtwort „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.“
Diese Gespräche haben mich teilweise derart aufgewühlt, aggressiv gemacht, so dass ich mich in der Literatur umgeschaut habe, die sich mit diesen Thesen auseinandergesetzt. Fündig bin ich u.a. bei einer mir aus dem belletristischen Bereich bekannten Autorin Herrad Schenk, die ein Buch mit dem Titel Glück und Schicksal – wie planbar ist unser Leben? geschrieben hat, aus dem ich im Folgenden einige – für mich – wichtige Passagen zitieren werde. -
What’s new?
Kreativ, aber fotografier-faul, das erwischt mich häufiger.
In meinem letzten Blog-Beitrag kündigte ich an, dass ich über die Weihnachtstage recht kreativ unterwegs war. An dieser Stelle nun ein kleines Ratespiel: was meint ihr, habe ich von den auf dem Foto abgebildeten Gegenständen erstellt?Antwort: richtig, alles (außer der Blume versteht sich).
Die Häkeläpfel habe ich am ersten Weihnachtsfeiertag für den elterlichen Besuch am zweiten Weihnachtsfeiertag erstellt. Sie stammen aus dem altbewährten britischen Häkelbuch, das ich nach wie vor liebe. Leider hatte ich keine kirschrote Wolle mehr, die Läden hatten zu, also habe ich auf einen Farbton zurückgreifen müssen, der anmuten lässt, dass das Verfallsdatum des Obstes kurz bevor steht.Von den Servietten hatte ich bereits vor einiger Zeit vier an der Zahl genäht, für den Besuch brauchte ich jedoch noch zwei weitere, da beide Elternpaare mit am Tisch saßen. Leider hatte ich nur noch Reste des Stoffes, so dass ich improvisieren und durch geschicktes Falten eine ähnliche Größe musste (es ist keinem aufgefallen).
Die Tischdecke habe ich nach meinem IKEA-Besuch kurz nach Neujahr aus meiner neuesten Stoffbeute genäht. Diesmal habe ich ordentlich zugelangt: fünf mal je zwei Meter Stoff (für Taschen, Behältnisse … der nächste Markt kommt bestimmt). Das Motiv ist wunderschön und macht Lust auf das kommende Frühjahr!
Die iPod-Hülle stammt aus demselben Buch wie die gehäkelten Körbe aus dem letzten Jahr. Sie ist relativ schnell fertig, was wirklich aufhält (anders als beim zweifarbigen Stricken), ist die Mitnahme des jeweils anderen Fadens beim Farbwechsel. Bedingt durch das Muster mit den Querstreifens wechselt man ziemlich häufig.Sieht recht schick alles aus … ich bin zufrieden!
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Rot-weiß gemustert
Wer einmal mit Wolle angefangen hat, stellt fest, dass es selbst nach Jahren immer noch Neues zu entdecken gibt.
Zu meinem letzten Geburtstag habe ich von lieben Nachbarn einen Gutschein für das Kreativparadies in der Europapassage geschenkt bekommen. „Klassische“ Wolle kaufe ich gerne bei Wollläden meines Vertrauens, dann fiel mir jedoch das großartige Häkelbuch der Finnin Molla Millis in die Hände, die viele Häkelobjekte aus Textilgarn erstellt. Die Körbe in verschiedenen Mustern und Größen gefielen mir am besten.
Quelle: Mills, Molla: Mach mal Masche : häkle dein Zuhause bunt. Frech, 2015 Das Fieber hatte mich gepackt! Zu meiner großen Freude gab es in besagtem Laden das gewünschte Textilgarn, dazu kaufte ich eine große Häkelnadel (No. 9) und für ein filigranes Objekt (iPod-Hülle) vier Knäule mercerisiertes Garn.
Eigentlich wollte ich bei dem klassischen schwarz-weiß-Stil bleiben, den die Autorin in ihrem Buch vorgibt, da ich jedoch kein schwarzes Garn bekam und wenig Lust und Ressourcen hatte, es selbst herzustellen, entschied ich mich für meine Lieblingsfarbe rot.
Aus 1,6 Kilogramm Garn habe ich nun drei Körbe gehäkelt:
- den Triforce-Korb von S. 75 in der Größe des Korbes mit Schrägstreifen (S. 68, auf dem Bild links vor dem Triforce-Korb)
- einen Schrägstreifen-Korb von S. 68 mit einem kleineren Durchmesser, der nun unsere Zimmertanne schmückt, die ihr auf den Bildern meines Advents-Beitrags sehen konntet (und farblich passend zu Weihnachten!)
- einen „Reste-Korb“ mit rotem Boden und weißen Wänden (steht jetzt auf dem Schreibtisch des Liebsten und wird gut angenommen)
So, und nun will ich euch nicht mehr länger auf die Folter spannen … so sieht mein Triforce-Korb aus:
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Profis, Augen und Ohren zu!
Über Nacht ist wieder ein kleiner Pullover entstanden … und ihr habt gar nichts davon mitbekommen! So heimlich läuft es manchmal bei mir ab und ist häufig der Grund, warum ich mich dann wochenlang nicht mehr blicken lasse.
Während meines Winterurlaubes habe ich mir endlich die Wolle zu meinem Traumprojekt aus dem Sommer gekauft. Wieder volles Risiko: keine Original-Wolle, keine Größenangabe (nach Aussehen der japanischen Models schätzungsweise Größe 36, was mir zu klein ist). No risk, no fun!
Was mich sehr an dem Pullover gereizt hat, ist der Querzopf, den ich bereits schon einmal in einer Komplettversion gestrickt habe. Bei aktuellem Modell bildet er nur die Passe und Ärmel; Vorder- und Rückenteil sind glatt gestrickt. Der Anleitungstext im Buch ist sehr sparsam, vielmehr wird mit Zeichnungen gearbeitet, an die ich mich nach kurzer Zeit gewöhnt hatte, was daran liegen kann, dass ich mich generell bei graphischen Darstellungen zu Hause fühle.
Mit meinem Ersatzgarn von Online, Qualität „Linie 110, Timona“ kam ich genau auf die gewünschte Maschenprobe, und ich hatte diesmal auch genug Material gekauft, ohne den üblichen Stress mit den letzten Wollmetern. Als i-Tüpfelchen gab es meine Lieblingsfarbe rostrot. Kein Kompromiss-Kirschrot, kein Obligatorisch-Orangeton. Nein, mein schönes Rot!Und nun, liebe Profi-StrickerInnen: Augen und Ohren zu!
Ich habe die Strickteile nicht gespannt, denn ich war viel zu aufgeregt und ungeduldig, endlich die Seitennähte zu schließen und schnell noch den Kragen herauszustricken. Da sich die Zöpfe jedoch im trockenen Zustand ordentlich zusammenziehen, was beim Querzopf erhebliche Folgen für die Höhe des Strickstückes hat, habe ich das Pferd nun von hinten aufgezäumt. Den fertigen Pullover habe ich gewaschen und über den Wäscheständer gehängt. So gewinne ich noch einige Zentimeter, aber liebe Leute, nicht nachmachen, sollte man mit den einzelnen Teilen vor dem Zusammennähen machen.Bald in angezogenem Zustand, hier ein kurzer Blick auf den nassen Zustand:

aus: Amimono heißt stricken, Modell von S. 24


