Literatur
Literatur-Tipps aus verschiedenen Genres
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Feministische Häppchen – Teil 1
Es ist mal wieder an der Zeit, ein paar feministische Gedanken niederzuschreiben bzw. die der anderen zu diesem Thema zu kommentieren. In der Folge werde ich sie „Feministische Häppchen“ nennen. Es sind keine ausladenden Texte, vielmehr verweisen sie auf interessante Zeitungsartikel und Blogeinträge und sollen Appetit machen, sich mit feministischen Themen zu beschäftigen.
Cause we all know:
the fight has changed, the stereotypes remain, and the cause will never die.
Anlass, diesen Beitrag zu schreiben gab mir die Lektüre des Buches „Die potente Frau“ von Svenja Flaßpöhler. Ein dünnes Büchlein von knapp 40 Seiten, das permanent in den Bücherhallen ausgeliehen war, so dass ich es erst Wochen später in die Hände bekam.
Zunächst liest es sich angenehm erfrischend, wenn in Zeiten männlicher Übergriffe auch weibliche Stimmen laut werden, die sagen: Frauen, bemächtigt euch eurer Stärke, seid keine Opfer, ihr könnt euch wehren. Wenn es dann allerdings abgleitet, und Begriffe wie „Verführung“ im Rahmen einer Diskussion über sexuelle Nötigung und Gewalt genannt werden, wird es Zeit, noch einmal innezuhalten.Und nicht einmal ansatzweise wird erkannt, für welche Welt da eigentlich gekämpft wird, wenn nicht nur die Vergewaltigung, sondern auch die Belästigung aus ihr verschwinden soll. […] Daraus folgt: Wer eine Welt ohne Belästigung will, will in letzter Konsequenz eine Welt ohne Verführung. Kein Menschen kann eine solche Welt ernsthaft wollen. (S. 13-14)
Frau Flaßpöhlers Buch beginnt interessant, schnell jedoch wird die #metoo-Kampagne, die es vielen Frauen ermöglicht hat, offen über Unterdrückung von und Gewalt an Frauen zu sprechen als Wiederholung patriarchaler Denkmuster betitelt.
[…] Tatsächlich sind es Initiativen wie #aufschrei, #neinheißtnein und #metoo, die, trotz allen emanzipatorischen Willens, patriarchale Denkmuster blindlings wiederholen und damit eben jene Wirklichkeit festschreiben, die sie beklagen: Gegen Belästigungen ist die Frau machtlos; sie kann sich nicht wehren; das männliche Begehren ist allmächtig, das weibliche nicht existent. (S. 9)
Des Weiteren bemängelt sie die Heterogenität der #metoo-Frauen und die weit zurückliegenden angeprangerten Fälle, die von „alten Männern“ begangen wurden.
Die Autorin schreibt viel über Selbstermächtigung, ob im privaten oder im beruflichen Kontext, lässt jedoch außen vor, dass es Lebenssituationen von Frauen gibt, in denen sie keine Wahl haben und ein NEIN Entlassung oder Schlimmeres zur Folge hat. Zu ihrer eigenen Entlastung − so hat es zumindest für mich den Anschein − distanziert sich Frau Flaßpöhler davon, Nötigung und Vergewaltigung seien lapidare Themen. Ihre Behauptung allerdings, Vergewaltigung sei immer noch die Ausnahme ist aus meiner Sicht eine gewagte These. Gemäß einer EU-Studie aus dem Jahr 2014 mit 42 000 befragten Frauen wird „eine von zwanzig Frauen […] vergewaltigt, eine von zehn erlebt andere Formen sexueller Gewalt.“ (Quelle: Die 7 wichtigsten Fakten zu sexueller Gewalt, Süddeutsche Zeitung, 27.04.2016).
Um es klar zu sagen: Es gibt Situationen, in denen Frauen keine Chance haben. Ich bin weit davon entfernt, Vergewaltigung oder Nötigung Kleinzureden. Aber Vergewaltigung ist immer noch die Ausnahme. Wenn ich mich belästigt fühle, dann bin ich – in der Regel – der Situation keineswegs ausgeliefert. Ich kann kontern oder auch auf charmante Weise zum Ausdruck bringen, dass ich kein Interesse habe. […] Ich kann, wie man so schön sagt, einen Mann vor den Kopf stoßen, indem ich seinem Willen nicht entspreche. Kurz: Ich kann mich dem männlichen Wunsch, mit mir zu schlafen, in aller Regel widersetzen, ohne Gefahr zu laufen, körperliche Gewalt zu erfahren […]. (S. 14)
Nachdem ich dann eine erhitzte Diskussion mit meinem feministisch-gesinnten Liebsten führte, der neben den hinterfragenswürdigen Thesen der Autorin auch ihren Schreibstil gruselig fand, wollte ich Frau Flaßpöhler einmal im Interview erleben. Bei Maybrit Illner (ZDF) in der Ausstrahlung vom 01.02.2018 diskutierte sie u.a. mit Anne Wizorek, Initiatorin von #aufschrei. Letztere wies auf das Grundproblem hin, dass Frau Flaßpöhler geflissentlich in ihrer Beweisführung übersähe, dass das Patriarchat leider noch nicht überwunden sei. Frauen müssten keine Angst haben und sich zur Wehr setzen, wenn die Machtverhältnisse ausgeglichener wären. Sie sind es nur leider noch immer nicht. Das Patentrezept ist leider nicht ein gut ausgeprägtes Selbstbewusstsein, das ich jeder Frau von Herzen wünsche. Es schützt nicht vor Übergriffen, sogar in Selbstverteidigungskursen ist Weglaufen das erste Mittel, nicht der direkte Kampf, in dem viele Frauen unterlägen.
Für Frau Flaßpöhler ist die #metoo-Debatte eine Infantilisierung der Frauen, die sich zur Wehr setzen könnten, es nicht tun und stattdessen stillhalten und sich „beklagen“ und − schlimmer noch − „nachtreten“.
Was nützt ein nachträgliches Anprangern von Überschreitungen, die man hätte verhindern können? Halte still und beklage dich hinterher – ist dieses hilflose Nachtreten wirklich das Verständnis von Selbstermächtigung und Emanzipation, das wir unseren Töchtern mit auf den Weg geben wollen? Tatsächlich festigt #metoo ein zutiefst patriarchal geprägtes, von Passivität und Negativität gezeichnetes Frauenbild, anstatt es aufzubrechen. (S. 16)
Es gäbe noch weitere Punkte in diesem Buch zu diskutieren. Ich übergebe jedoch an dieser Stelle an Personen, deren Beiträge fundierter sind als meine:
- Plattform Pinkstinks: „Die ignorante Frau“ (der Beitrag eines Mannes)
- Der Spiegel: „Potent, aber daneben“ (Kolumne von Margarete Stokowski)
- Zeitung der freitag: „Zeigt Potenz“ (Interview mit der Autorin, geführt von Simone Schmollack)
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Hyggelig og doven
Keine Wolle mit im Gepäck? Unkreativ?
Jawohl, dieses Mal war ich im Dänemark-Urlaub richtig faul. Faul im Sinne von nicht-strickend. In meinem letzten Blog-Artikel berichtete ich bereits über eine gewisse Woll-Lethargie, die mich derzeit befällt, jedoch noch nicht über die Maßen beunruhigt. Weder in der Hauptstadt des königlichen Dänemarks noch in der feudalen Hütte im hohen Norden vermisste ich meine Nadeln. Aber der Reihe nach …
Der diesjährige Hygge-Urlaub war angereichert mit Kultur. Als waschechte Achtel-Dänin hegte ich den Wunsch, endlich in die Geburtsstadt meines Großvaters zu fahren. Also reisten der Liebste und ich über die Storebælt-Brücke nach Kopenhagen.
København ist fantastisch: die Stadt strahlt eine Ruhe aus, die ich brauche und ist trotzdem so quirlig, wie es von einer Hauptstadt zu erwarten ist. Besonders begeistert hat mich der Raum, der den Fahrradfahrerinnen zugesprochen wird. In Hamburg befinde ich mich als Fußgängerin eigentlich immer in Alarmbereitschaft, weil jederzeit ein Fahrrad von vorne oder hinten kommen kann und ein sicheres Fahren auf der Straße nur selten möglich ist, häufig, weil Fahrradwege schlichtweg fehlen. In Kopenhagen war alles im Fluss. Jede Verkehrsteilnehmerin hatte ihren Platz – und zwar zu gleichen Teilen.
In einer Reportage habe ich kürzlich gesehen, dass selbst in einer fahrradliebenden Stadt wie Kopenhagen die Umwandlung der Verkehrs-Infrastruktur zu Gunsten der Fahrräder und damit einhergehend zu Ungunsten der Autos, auf verhältnismäßig großen Widerstand stieß. Doch der amtierende Bürgermeister von Kopenhagen konnte sich glücklicherweise durchsetzen. Nicht nur die Däninnen haben begriffen, dass die Zukunft in den Städten nur ohne Autos gelingen kann. Längst gibt es andere europäische Länder, die nachziehen. Allen, die das Fahrrad als gemütliches und umweltschonendes Fortbewegungsmittel ansehen und nicht als schickes Kampfinstrument, sei dieser Buchtipp aus der SZ ans Herz gelegt: Copenhagenize von Mikael Colville-Andersen, „[…] ein sanfter Stadtdurchgondler, kein Fundamentalist, sondern ein blitzgescheiter Mensch, der vor allem zeigt, dass durch den Ausbau des Radverkehrs die ganze Stadt profitiert“.
Aufgrund der Hitze beschränkten wir uns auf wenige Sightseeing-Sensationen. Was machen zwei Bibliothekarinnen im Urlaub? – Richtig, sie besuchen eine Bibliothek.
Auch wenn bei der Besichtigung ausländischer Bibliotheken jedes Mal innerlich die Tränen fließen – was ist alles möglich, nur nicht bei uns? –, muten wir es uns jedes Mal wieder zu. In der dänischen Nationalbibliothek, zurecht auch die Dänische Königliche Bibliothek genannt, war es jedoch wirklich schwierig, die Fassung zu bewahren.

Schließlich fand ich auf einem unserer Streifwege noch ein echtes Femi-Haus mit Laden: Kvindehuset. Die Besitzerin Lisbeth Jorgensen hat es 1978 gegründet. Als ein Ort für feministische und politische Aktivitäten, dient es auch als Verkaufsraum für selbstbedruckte Kleidung. Mein erstes Femi-Shirt mit einem Geschenk-Sticker aus meinem Geburtsjahr!Quelle: http://copenhagenphotos.blogspot.com
Der anschließende Weg in den Norden war befreiend. Die kühle Nordsee empfing uns mit offenen Armen. Wir genossen den leichten Wind und den strahlend blauen Himmel.
Ich vertrieb mir die Zeit mit fünf Ravensburger-Puzzles (insgesamt 5500 Teile) und einigen Podcasts des SWR-2-Forum.
Gelesen habe ich Factfulness von Hans Rosling (zuende), zwei von insgesamt fünf Werken der wundervollen Karin Alvtegen (Schuld und Scham), der immer ausgeliehene, doch nun vorgemerkte neueste Roman von Joy Fielding (Solange du atmest), Eine Geschichte der Wölfe von Emily Fridlund (eine Coming of age-Geschichte aus Minnesota), ein Buch über die evolutionär bedingte Suche nach Mustern, die es häufig gar nicht gibt von Florian Aigner (Der Zufall, das Universum und du) und ein philosophisches Buch über die Verantwortung von Kindern gegenüber ihren Eltern von Barbara Bleisch (Warum wir unseren Eltern nichts schulden).
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Nährausch
Im letzten Beitrag berichtete ich über mein Erfolgserlebnis beim T-Shirt-Nähen.
Das besagte Buch von Gräfe & Unzer hat noch einige andere Modelle in petto, so dass ich mich gleich, nachdem ich das eine Projekt fertig hatte, mich an das Zweite machte:
eine kurze Hose mit Kordel.Den Stoff (ein gelber Sweat-Jersey) hatte ich bereits übermütig zusammen mit dem Jersey für das T-Shirt gekauft. Bei diesem Modell gab es einige Finessen zu beachten: letztendlich ist eine kurze Hose genauso aufwendig wie eine lange Hose, sofern sie Taschen hat. Es brauchte eine Weile, bis ich mich wieder in die Technik der Taschenbeutel eingedacht hatte und funktionierte dann auch einwandfrei beim Zusammennähen. Ohne den Gummizug und die Kordel erschien mir die Hose sehr weit, aber sie zog sich dann schnell auf die gewünschte Breite zusammen.
Wie das erste Modell − bequem und, wenn man den Dreh heraushat, leicht zu nähen.
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Sitzt und passt
Aller guten Dinge sind drei, oder?
Bei mir hat es drei Anläufe bedurft, um ein bequemes und vorzeigefähiges T-Shirt zu nähen.
- Der erste Versuch war von extrem kurzer Tragedauer gekennzeichnet und konnte sich auf lange nicht mal als Nachtgewand etablieren. Grund: zu weiter Schnitt; Rückenteil länger als Vorderteil, was mir überhaupt nicht zusagte; fluseliger Jersey; schlecht aufgebügelte (und sichtbare) Belege
- Das zweite Modell war rückblickend bereits beim Nähen ein Desaster: Stoff nicht gedreht (Dehnung in die falsche Richtung), deshalb an den Ärmeln viel zu eng; ebenfalls zu eng: der Halsausschnitt; absoluter Minuspunkt: die Säume (doppelt angenäht, klappen dadurch permanent nach vorne).
Aber nun *tusch* stieß ich vor einiger Zeit auf dem Instagramm-Account von schnittchen.com auf ein Nähbuch der Gründerin Silke Türck, das im Gräfer & Unze Verlag erschien. Der Titel lautet „Sew me“ und beinhaltet Projekte, die an einem Wochenende erstellt werden können und aufgrund ihrer Bequemlichkeit dazu beitragen, sie gleich anzubehalten. Die Schnittmuster sind separat herunterzuladen und auszudrucken, was in den Foren als nicht besonders positiv gewertet wird. Mir kommt es entgegen, da ich auf diese Weise stabile Schnittmuster erhalte, die ich nicht zusätzlich beschweren muss. Die bereits enthaltene Nahtzugabe erleichtert die Arbeit zusätzlich.

Quelle: Gräfe und Unzer Auch dieser Schnitt ist recht schlicht. Er unterscheidet sich jedoch von den vorangegangenen Modellen darin, dass er eine gute Länge zum Drüber- und Druntertragen hat, durch die überschnittenen Ärmel Luft unter den Armen lässt und schöne Säume hat.
Da ich mich bald aufgrund von beginnender Materialermüdung von meiner Lieblingsbluse in Schwarz mit weißen Punkten verabschieden muss, wählte ich einen mitteldicken Jersey in beschriebenem Muster.
Bereits beim ersten Hineinschlüpfen gefiel mir der Schnitt so gut, dass ich ihn definitiv wiederverwenden werde.
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Schwarz-weißes Gebilde, Teil 2 und andere Frühlingsprojekte
Ein bisschen Regen am Wochenende hilft, angefangene Projekte zu Ende zu bringen. Das Häufchen auf dem folgenden Bild war wochenlang in meinem Sichtfeld. Am letzten Sonntag konnte ich es nicht mehr ertragen, und machte mich ans Werk, zumal ich alle fehlenden Utensilien bereits zusammengetragen hatte.
Zunächst widmete ich mich meiner im letzten Sommer begonnenen Häkeltasche. Das Häkeln dauerte eine ganze Weile aufgrund des immer mitgeführten Fadens, das eigentliche Debakel begann jedoch mit dem Nähen des Innenfutters und der Auswahl des Reißverschlusses:
- vom ersten Reißverschluss, den ich kaufte, dachte ich, er sei nicht teilbar. Also kaufte ich einen zweiten. Dieser war zu lang, laut Anleitung musste Luft rechts und links bleiben, um später das Innenfutter einnähen zu können. Ich vernähte also den ersten. Bislang hatte ich Reißverschlüsse nur mit Stoff vernäht, ich unterstützte entsprechend die Dehnung des Häkelgewebes. Ergo passte das Innenfutter, das ich zuvor fertiggestellt hatte (rot mit weißen Pünktchen – todschick!), nicht mehr *grummel*
Ich verzichtete auf das Innenfutter. - ebenfalls ewig dauerte der Prozess, geeignete Taschenhenkel zu erstehen. Meinen Traum von braunen (Kunst-)Ledertaschenhenkeln musste ich begraben, da ich lediglich Längen von 70 cm fand bzw. keinen Laden, in dem ich Ledergurt vom Band (zu erschwinglichen Preisen) hätte kaufen können. Ich entschied mich letztlich für ein breites Gurtband aus Baumwoll, was ich auch für die Schlaufen an den Seiten einsetzte.
Nun naht der Sommer in großen Schritten, und ich kann meine neue Tasche bald das erste Mal ausführen!
- vom ersten Reißverschluss, den ich kaufte, dachte ich, er sei nicht teilbar. Also kaufte ich einen zweiten. Dieser war zu lang, laut Anleitung musste Luft rechts und links bleiben, um später das Innenfutter einnähen zu können. Ich vernähte also den ersten. Bislang hatte ich Reißverschlüsse nur mit Stoff vernäht, ich unterstützte entsprechend die Dehnung des Häkelgewebes. Ergo passte das Innenfutter, das ich zuvor fertiggestellt hatte (rot mit weißen Pünktchen – todschick!), nicht mehr *grummel*














