• Wolle

    Alte Augen

    Ein Indikator, dass die Augen schlechter werden, ist das Stricken mit schwarzer Wolle. Ich spreche von dem bislang nur kurz erwähnten Pullunder, der am Ende ein Pullover wurde. Selbst bei sommerlichem Sonnenlicht war es eine Herausforderung, mit schwarzer Wolle in Nadelstärke 3,5 zu stricken und dabei den Überblick zu behalten.

    Alles begann mit zwei Heften von RICO Design mit dem Titel Top Down Knitting Spezial. Band eins verschenkte ich, Band zwei behielt ich. Besonders angetan hatte es mir ein Pullunder-Modell: oversize und schlicht. Leider war im idee-Markt nicht das Originalgarn Essentials fine fine merino (26 M | 34 R) erhältlich, sondern nur das dickere Essentials merino (22 M | 28 R). Die Verkäuferin versicherte mir, das Projekt ließe sich auch mit dem vorhandenen Garn problemlos umsetzen, zudem sei es ausgesprochen pillingresistent, wie sie mir mit einer Strickprobe zeigte. Beides sollte sich als Irrtum erweisen.

    Die vier zusätzlich gekauften Knäuel reichten nicht aus; tatsächlich hätte ich mindestens noch einmal dieselbe Menge benötigt. Bei einem anderen Muster wäre das vielleicht weniger problematisch gewesen, doch Patentmuster sind bekanntlich wollhungrig. Hinzu kam, dass sich das Garn erstaunlich elastisch zeigte: bereits nach etwas zwei Dritteln Fertigstellung hatte sich das Kleidungsstück deutlich ausgehängt.

    Der klassischen sunk cost-Falle zum Trotz ribbelte ich alles wieder auf und entschied mich, einen Pullover aus dem anderen Heft zu stricken – für den ich das notwendige Garn bereits besaß. Eine Kollegin, der ich das erste Heft geschenkt hatte, hatte genau dieses Modell bereits erfolgreich umgesetzt und war insgesamt zufrieden. Allerdings berichtete sie von auffälligem Pilling nach den ersten Tragephasen.

    Auch bei diesem Projekt musste ich Knäuel nachkaufen, diesmal jedoch mit der Sicherheit, am Ende tatsächlich das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Dann allerdings meldete sich ein anderes, bislang nur latent vorhandenes Problem: die Kurzsichtigkeit, die sich still und heimlich in Alterssichtigkeit hinübergeschlichen hatte. Bei unzureichendem Raumlicht begannen die schwarzen Maschen auf den Nadeln zu tanzen, und beim kurzen Blick in die Ferne schwebten schwarze Punkte vor meinen Augen. Unter diesen Umständen wurde das Arbeiten im Patentmuster zur Geduldsprobe, und ich war entsprechend erleichtert, als ich schließlich in gleichmäßige Glattrechts-Runden wechseln konnte.

    Den Pillingeffekt kann ich bestätigen. Bemerkenswert ist vor allem die enorme Elastizität des Garns – ich habe bislang noch kein Merinogarn verarbeitet, das sich derart verhält. Wenn man den Pullover in den Händen hält, hat man den Eindruck, als sei Viskose beigemischt.

  • Aus dem Leben,  Wolle

    Ganz in weiß

    Meine Handarbeits-Herausforderung für 2024: einen Pullover innerhalb kurzer Zeit für eine andere Person stricken.

    Meine liebe Schwiegermutter hatte schon vor einiger Zeit den Wunsch geäußert, ein Kleidungsstück von mir gestrickt zu bekommen. Sechs Wochen vor ihrem 75. Geburtstag äußerte sie dann einen konkreten Wunsch: der Kein Schnickschnack-Pullover von PetiteKnit hatte ihr Herz erobert – und ich geriet ein wenig ins Schwitzen. Abzüglich der Zeit für das Bestellen von Wolle und Anleitung sowie das Maßnehmen blieben mir netto nur fünf Wochen. Zum Glück hatte sie mir eine Pullover-Vorlage mitgegeben, auf die ich mein Strickstück in zeitlichen Abständen legen und vergleichen konnte.

    Bereits bei mir selbst finde ich die Auswahl der richtigen Größe oft schwierig. Besonders bei den PetiteKnit-Anleitungen – die ich sehr schätze – stimmen Größe und angegebene Stricknadelstärke oft nicht genau. Daher entschied ich mich bei diesem Modell für Größe L und strickte entsprechend der Maschenprobe mit einer halben Nadelstärke kleiner. Nach zwei Wochen gab es eine Zwischenanprobe, die gut aussah und mich ein wenig beruhigte. Der Rumpf bekam zum Schluss doch noch ein paar zusätzliche Zentimeter, was mir die Gelegenheit gab, mich weiter im italienischen Abketten zu erproben.

    Der fertige Pullover kann sich sehen lassen, und meine Schwiegermutter hat sich sehr darüber gefreut. Nun muss es noch etwas kälter werden, da sie es nicht gewohnt ist, so warme Kleidungsstücke zu tragen.

     

  • Wolle

    Verspätete Streifen

    Hui, ganz schön spät dran! Dieser schön-streifige bzw. streifig-schöne Pullover ist bereits im Dezember 2023 fertiggestellt, jedoch noch nicht fotografiert worden.

    An dieser Stelle reiche ich nun «Back to the future»-like einen kurzen Blogeintrag nach. Im Folgenden die wichtigsten Fragen mit den entsprechenden Antworten.

    Schon wieder ein Herrenpullover? Du wolltest doch keine mehr stricken!

    Ja, richtig, aber ich konnte es nicht lassen. Ein schlichtes Modell, günstige Wolle (beides von DROPS). Es wurde ein Vor-Weihnachtsgeschenk und mein armer beschenkter Mann hat sich wirklich (!) gefreut.

    Ging diesmal alles glatt?

    Fast. Ich musste die Länge noch korrigieren, was dank Raglan-von-oben gar kein Problem war. Und gegen den Kratzehals gab es nachträglich einen schönen, von innen gegengenähten Jersey-Streifen (siehe Bild).

  • Aus dem Leben,  Literatur

    Rückblick und Start ins neue Jahr

    Das neue Jahr ist schon im vollen Gang.

    Besser später als nie möchte ich euch wieder eine Auswahl von Büchern vorstellen, die ich in 2023 gelesen habe. Es waren insgesamt knapp fünfzig an der Zahl, wieder ein Mix aus Belletristik, Sachbüchern und Hörbüchern. Leider war ich diesmal nicht so fleißig mit Aufzeichnungen, deshalb fällt es ein wenig kürzer aus.

    Feminismus und/oder Coming-of-Age

    Meine Favoriten stammen größtenteils aus der Sparte „feministische Literatur“ bzw. „feministische Coming-of-Age-Literatur“.

    Folgende drei Romane kommen mit viel Karacho und haben mich inhaltlich und sprachlich sehr mitgerissen:

    Im Rahmen meines feministischen Literaturkreises kam ich noch einmal in den Genuss Die Wand“ von Marlen Haushofer zu lesen. Das Werk nebst Verfilmung habe ich bereits vor einigen Jahren schon einmal in meinem Blog vorgestellt.
    Mit fast einem Jahrzehnt Abstand finde ich mich stärker von der Geschichte des Buches angesprochen, als ich es in meinen frühen Dreißigern getan hätte. Auf seltsame Weise beruhigt es mich trotz seiner dystopischen Natur. Durch die Pandemie erscheint es aktueller denn je. Eine ähnliche Situation isoliert wie eine Wand zur Außenwelt.

    Autobiographie

    Von Alexander Gorkow habe ich im letzten Jahr bereits geschwärmt und einen längeren Text über sein großartiges Werk Die Kinder hören Pink Floyd verfasst. In seinem (ebenfalls autobiographischen) Buch Hotel Laguna nimmt er uns ein weiteres Mal auf eine Reise in seine Kindheit. Diesmal als Erwachsener, der in das einstige Ferienparadies seiner Kindheit, ein mallorquinisches Dorf, für einige Zeit zurückkehrt.

    Der Autor teilt auf der Blauen Couch von Bayern 1 eindrucksvoll Geschichten aus seinem Leben – absolut hörenswert!

    Philosophie

    Der Titel 4000 Wochen von Oliver Burkeman stand längere Zeit auf meiner Liste. Er klang interessant, jedoch ein wenig nach Zeitoptimierung, was mich zunächst abschreckte. Zum Glück habe ich es dennoch gelesen! Es war äußerst faszinierend und eröffnend – das genaue Gegenteil von „Wie schaffe ich mehr in weniger Zeit“. Stattdessen war es eine Ermutigung, sich auf die wesentlichen Dinge im Leben zu konzentrieren und zu akzeptieren, dass man trotz aller Optimierung des Alltags viele Möglichkeiten verpassen wird.

    Wer eine Kurzpräsentation seines Buches erleben möchte, dem sei sein TedTalk-Auftritt aus 2022 in Manchester empfohlen.


    Auch in 2024 wird voraussichtlich wieder viel Wolle verstrickt werden.

    Ein Projekt aus 2023 habe ich hier noch gar nicht präsentiert, auch die bereits angekündigten Wollsukkulenten werden hoffentlich in Kürze folgen.

    Autumn Wreath von DROPS, Garnqualität Nepal

    Mit dem Pullover auf dem Foto, den ich im Januar zu stricken begannm, lief es wieder etwas wild. Ursprünglich hatte ich das DROPS-Garn für ein bereits seit Jahren geplanten BRIGITTE-Pullover gekauft. Während des Strickens bekam ich jedoch den Eindruck, dass das Garn dem Modell, das relativ weit geschnitten ist, möglicherweise nicht den erforderlichen Stand geben würde. Kurzerhand entschied ich mich nachträglich für ein DROPS-Modell, für das auch originär dieses Garn verwendet wird. Ich werde vom weiteren Fortgang berichten.

  • Wolle

    Sie hat es schon wieder getan

    Nein, ich reiße weder Jacketts noch Pyjama-Hosen anderer Menschen auf, wie das Film-Zitat aus einem meiner Lieblingsfilme «Is‘ was, Doc?» mit Barbra Streisand und Ryan O’Neil aus dem Jahr 1972 vermuten ließe.

    Das Nein-Sagen beim Anblick von Wolle fällt mir schwer, wie ich es an verschiedenen Stellen bereits beschrieben habe. Im November kam erschwerend hinzu, dass mein lokaler Wolldealer ankündigte, zum Ende des Jahres seine Tore zu schließen, und als kleines Abschiedsgeschenk zwanzig Prozent Preisnachlass auf das gesamte Sortiment versprach.

    Die teuere Tynn Silk Mohair zu einem erschwinglichen Preis – ich konnte nicht widerstehen.

    Zusammen mit der Sandnes Sunday sollte es der zweifädig gestrickte Ballon Sweater werden, ein weiteres Modell von PetiteKnit, für das ich mir die Anleitung bereits vor einiger Zeit besorgt hatte.

    Beim Stricken der Halsöffnung stellte ich jedoch schnell fest, dass nicht nur mein Körper andere Proportionen als der der Designerin aufweist, auch mein Kopf weist einen höheren Umfang auf als erwünscht.
    Die Option, den Pullover größer stricken zu können, verwarf ich schnell. Das leichte Gefühl von Klaustrophobie ließ sich nicht mehr vollständig vertreiben.

    Kurze Planänderung und ich hatte mich für das Stricken eines zweiten Exemplars des Sunday Sweater Mohair entschieden. Etwas dicker in der Garnkombination, da laut Anleitung zweifädig mit der Tynn Silk Mohair.

    Nun stricke und stricke ich seit einigen Wochen gemählicher als sonst vor mich hin. Das Muster ist bekannt, die Maße stimmen. Alles ist gut, der Frühling kann kommen!