Die rote Ingrid
Vielleicht erinnert ihr euch an mein Wollbild, das ich zu Weihnachten gepostet habe.
Diese Wolle habe ich an meinem letzten Arbeitstag vor den Weihnachtsfeiertagen in einem der großen Wollläden Hamburgs gekauft – gleichzeitig leider auch mit dem anstrengendsten Klientel: Frauen mit angeschrägtem Pony und ihren tätowierten und leicht grimmig blickenden Männern im Schlepptau, rotblonde Teenager mit ihren Müttern. Alle achtsam, dabei jedoch eine latente Aggression ausstrahlend, versunken in kleinste Nachfragen, Sonderwünsche, Prüfungen, während das Personal geduldig auf jedes Bedürfnis einging. Eine weitere Bestätigung dafür, dass ich großstadtmüde bin – aber das ist ein anderes Kapitel.
Auf jeden Fall suchte ich den Laden auf, weil er die Peer Gynt-Wolle führt, aus der ich seit Längerem einen zweiten Ingrid Slipover stricken wollte. Es sollte unbedingt ein Rotton werden.

Das erste Exemplar hatte ich im vorletzten Jahr an meine Kollegin verschenkt. Da das Modell als Oversize-Pullunder mit einem Bewegungsspielraum von etwa zwanzig Zentimetern beschrieben ist und ich ihn vor dem Verschenken einmal selbst anprobiert hatte, um ein Gefühl für die Größe zu bekommen, entschied ich mich auch diesmal wieder für Größe XS. Bei mir sitzt er nun leicht locker.
Das Stricken ging – wie beim ersten Mal – gut von der Hand. Lediglich beim Übergang vom Oberteil zum Rumpf stockte es kurz, weil der Musterwechsel nicht ganz passte. Das Oberteil beginnt in der Runde mit drei Maschen rechts, zwei Maschen links und soll beim Rumpf mit zwei Maschen rechts, zwei Maschen links weitergeführt werden. Leider konnte ich mich nicht erinnern, wie ich es beim letzten Mal gelöst hatte und entschied mich – entgegen der Anleitung – das Muster über die nächsten zwei Reihen bis zum nächsten Musterabschnitt so zu stricken, wie die Maschen erscheinen.
Beim ersten Pullunder hatte ich das Bündchen am Halsausschnitt aus Wollknappheit kürzer gearbeitet. Dieses Mal habe ich mich ganz bewusst ebenfalls dafür entschieden, da mir der lange Hals beim Original nicht so gut gefällt.
Ingrid hält schön warm und ist auch während des jahreszeitlichen Übergangs gut zu tragen, ohne ins Schwitzen zu geraten.


