Literatur

Literatur-Tipps aus verschiedenen Genres

  • Literatur,  Wolle

    Schwarz-weiße Gebilde

    Derzeit bleibe ich meinem mercerisierten Baumwollgarn in den Farben schwarz und weiß treu [„Mille fili“ von Wolle Rödel, Ll 130 m/50 g]. Dies ist zum einen dem Umstand geschuldet, dass mein einziges offenes Wollprojekt das Stricken eines Sommertops aus einem Gruselgarn ist, das sich wie Paketband stricken lässt, jedoch durch den hohen Seidenanteil wenig Widerstand gibt ergo mir ständig aus den Fingern glitscht. Zum anderen habe ich das Häkeln wiederentdeckt. Geliebt habe ich es immer, es hat jedoch leider häufig den Charme von Altbackenem, gerade wenn es um Kleidung geht, aber auch Wohnaccesoires bleiben nicht immer verschont. Doch dank Molla Mills, die ich bereits des öfteren erwähnte, und die neuen Schwung aus Finnland in die verstaubten deutschen Häkeldeckchen bringt, probiere ich mich nun ein wenig in Mustern aus.

    Zunächst hatte ich lediglich vor, die Reste aufzubrauchen, und habe mir ein schönes Etui gehäkelt, das ich im letzten Herbst bereits einmal verschenkte. Ein Foto entfällt an dieser Stelle – glaubt mir, es sieht genauso aus!

    Da ich noch immer nicht im Besitz eines der Bücher besagter Autorin bin (was sich hoffentlich zu meinem nächsten Geburtstag ändern wird), habe ich eine Bildersuche gestartet, die mich auf eine mir bekannte Anleitung einer Handtasche führte, die einst in der Brigitte veröffentlicht wurde und noch immer online verfügbar ist.
    Die Tasche erschien mir recht klein, außerdem mag ich es, sie an langen Trägern über der Schulter zu haben. Also habe ich (da die Maschenprobe in jedem Fall abwich) nun eine höhere Zahl an Maschen angeschlagen, so dass ich auf eine Breite von ca. 35 cm komme. Durch das Mitführen des Fadens geht es nur langsam voran, erzeugt jedoch ein sehr schönes sauberes Maschenbild. Zum Glück hatte ich ein langes Wochenende mit viel Muße.

    Ein Foto vom Freitag …

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    … und ein Foto vom Sonntag

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    Ich plane einen schwarzen Reißverschluss, während die Frage des Futters noch offen ist.

  • Literatur

    Kleine Philosophie der Macht

    Ich wünsche für die Frauen keine Macht über Männer, aber die Macht über sich selbst
    (MARY WOLLSTONECRAFT)

    Zum Jahresende habe ich ein Buch gelesen, das bereits länger auf meiner (feministischen) Buchliste stand: „Kleine Philosophie der Macht – nur für Frauen“ von der Philosophin und Autorin Rebekka Reinhard.

    Es ist unterteilt in drei große Themenblöcke, angereichert mit praktischen Tipps am Ende eines jeden Kapitels. Ich habe es fast in einem Rutsch durchgelesen und gleich an eine liebe Freundin weiterverliehen, obwohl ich meine „Aufzeichnungen“ noch nicht abgeschlossen hatte. Vielleicht auch gut, denn mir haben viele Passagen sehr zugesagt, so dass die Zitatfülle sehr dicht ist, und höchstwahrscheinlich noch dichter wäre, hätte ich das Buch noch in den Händen.

    Frau Reinhard beginnt im ersten Teil ihres Buches mit dem Hauptproblem vieler Frauen, zu perfektionistisch sein zu wollen, was zu Ohnmacht, Neid, respektlosem Umgang mit der eigenen Lebenszeit und der Angst zu Scheitern führe.

    Die moderne Frau wird nicht zur Perfektionistin, weil sie es (wirklich) will. Sie wird es aufgrund ihrer Außenlenkung. Weil sie von den anderen anerkannt werden will. Ist ihr Motiv nicht allzu verständlich? Braucht nicht jeder Mensch Anerkennung, egal welchen Geschlechts, welchen Alters, welcher Epoche?  […] Wenn man die „Ich muss“-Frau ‚liked‚, ihre übermenschlichen Leistungen mit „Super“ quittiert, motiviert man sie ganz und gar nicht, den Schleuderprozess ihrer kleinen grauen Zellen abzustellen und ihre Gedanken in eine andere Richtung zu drehen. Man spornt sie vielmehr an, sich auch weiter konform zu verhalten, nicht auszuscheren und kontinuierlich vor sich hin zu ameisen. […] Hinter dem „Ich muss“ verstecken sich unangenehme Gefühle, die mit den Erwartungen und de Situation anderer Leute zu tun haben. Schuldgefühle. Versagensangst. Stressangst. Angst, nicht mithalten zu können. Im Wettlauf um den Titel der besten Mitarbeiterin, der beliebtesten Kollegin, der empathischsten Ehefrau, der coolsten Mutter nur Platz zwei zu belegen. Und Neid. Neid? Jawohl. Neid auf die Männer, die weniger kämpfen müssen als wir. Und Neid auf die anderen Frauen. Besonders auf die, die irgendwie alles besser machen als wir. Irgendwie immer glücklicher sind. Der Neid ist ein Verwandter der Eifersucht und des Hasses. […] Je perfektionistischer die moderne Frau, desto außengelenkter. Begegnet die Außengelenkte einer Frau, die ihr perfekter erscheint als sie selbst, ‚muss‘ sie sich verletzt, gekränkt fühlen. Was sie durch all ihr Denken und Tun zurückzudrängen versuchte, erfasst sie nun mit voller Wucht: Ohnmacht. Ohnmacht gegenüber denen, die ihr ihre Unzulänglichkeit spiegeln. Ohnmacht aber auch sich selbst, dem eigenen Leben gegenüber. Die Folge dieser demütigenden Erfahrung ist jedoch nicht, dass die Perfektionsarbeiterin alles stehen und liegen lässt und versucht, mächtig zu werden. Die Folge ist vielmehr, dass sie einen Zahn zulegt. Ihre grauen Zellen schleudern wie wild ihre Berechnungen, Bewertungen und Befürchtungen heraus, sie erledigt alles noch schneller, noch gleichzeitiger, noch selbst-beherrschter, noch perfekter. Und immer noch bleibt die echte Anerkennung aus. Obwohl sie nichts tut, als sich anzustrengen … bis irgendwann nicht mehr alles so „Super!“ ist. (S. 39-41)

  • Literatur,  Wolle

    Zickzack

    In der letzten Zeit überholt mich die Produktion – das kommt auch nicht häufig vor. Vielleicht liegt es an der Jahreszeit …

    Nach längerer Häkelpause habe ich mich mal wieder einem Projekt gewidmet, das ich aus dem wunderbaren finnischen Häkelbuch herauskopiert hatte. Wolle in schwarz und weiß hatte ich noch (ihr erinnert euch vielleicht an meine iPod-Hülle?), und los ging es.
    Die Beschenkte war diesmal meine liebe Kollegin, die, wie ich, die Dinge gerne geordnet hat, und eher schlichte Designs schätzt. Da lag es nah, ein schlichtes Behältnis, das gleichzeitig praktisch ist, herzustellen. In meinen Kopien stieß ich beim Stöbern auf die Anleitung einer Stifthülle (auch für Stricknadeln oder andere längliche Dinge zu verwenden), die mir schenkbar erschien.
    Im Gegensatz zum beschriebenen separat zu häkelnden Boden habe ich mich entschieden, die Hülle in einem Stück zu häkeln. Den Übergang von Boden zu Körper habe ich entsprechend des Häkelkorbes mit einer Reihe nur in das hintere Maschenglied gestochene Maschen gestaltet. Zum Schluss wird ein Druckknopf als Verschluss angenäht.
    Das Mitführen des Fadens und das Häkeln in relativ engen Runden merkte ich noch ein paar Tage später in den Händen. Häkeln ist doch etwas anstrengender für die Hände als Stricken!

  • Literatur,  Stoff

    Schwarz-weiß

    … ist die liebste Farbkombination meiner Mutter. Am liebsten alles davon: Einrichtungsgegenstände, Kleidung etc. Erlaubt ist auch grau. Andere (knallige) Farben am liebsten nur als Akzente, z.B. bei Geschirr.

    Angefixt von neuen Nähprojekten im Lotta-Buch wagte ich den Versuch, den schon länger anvisierten Rucksack mit Zugband zu nähen. Für dieses Projekt eignete sich aus meiner Sicht wieder hervorragend der gute dickere Baumwollstoff von IKEA, aus dem ich regelmäßig meine Taschen nähe. Gesagt, getan, fuhr ich letztes Wochenende zum blau-gelben Möbelausstatter und musste am Stoffregal leider feststellen, dass der schöne schlichte graue Stoff, aus dem ich bereits meine Kissen genäht habe, nicht mehr auf Lager war. Zum Glück gab es die Alternative schwarz-weiß, die ich zunächst nicht in Erwägung gezogen hatte, da ich das Modell möglichst schlicht halten wollte.
    Vor lauter Enthusiasmus kaufte ich gleich noch von zwei anderen Stoffen jeweils einen Meter – beide neu im Sortiment.

    Das Nähen selbst erwies sich an einer Stelle doch tückischer als gedacht: Frau Jansdotter hat meiner Meinung nach auch bei diesem Projekt die Nahtzugaben etwas knapp bemessen, so dass ich die Schlaufen durch einen sehr engen Stofftunnel zwängen musste. Am Ende ging es weder vor noch zurück. Frustriert wollte ich schon alles in die Ecke schleudern und mir ein anderes Geschenk ausdenken, wurde dann jedoch von meinem stets in sich ruhenden Liebsten animiert, den Tunnel noch einmal zu nähen, diesmal etwas breiter. Der Rucksack ist nun ein Stück kürzer als geplant (die Außentasche sitzt recht weit unterhalb der Oberkante), hat jedoch mit knapp vier Zentimetern Breite genug Luft, um vier Lagen Stoff bequem zu führen.

    Ein weiterer kleiner Makel: die Länge der Schnüre ist für (sehr) kleine Personen geeignet, aber ab 1,70 Meter Körpergröße sitzt der Rucksack recht weit oben am Rücken.

    Merke: für den Beutel ca. zehn Zentimeter mehr Stoff in der Länge, für die Schnüre gilt gleiches (wenn nicht mehr, da sie doppelt gelegt werden).

    Meine Mutter hat sich gefreut – ich hoffe, dass sie ihn trägt.

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