Archiv der Kategorie: Aus dem Leben

alles, das kreativ ist und sich nicht die anderen kategorien einfügen lässt

Stoffgroßeinkauf

Da der Stoffladen meines Vertrauens leider nur ein kurzes Intermezzo in meinem Stadtteil hatte, muss ich seit letztem Sommer längere Wege zum Stoffkauf zurücklegen. Das ist einerseits schade, hat jedoch den Vorteil, dass ich nicht spontan und unüberlegt kaufe (zumindest hält es sich in Grenzen).

Bei den Projekten, für die ich nun gestern Stoff kaufte, konnte ich mir ziemlich sicher sein, dass sie von langer Hand geplant sind. Trotzdem wirkt die Menge alias der Stapel nun doch ein wenig größenwahnsinnig. Nun denn.

Wo war ich nun? In der „Mutter“-Filiale von „Alles für Sachenmacher“ in Bergedorf. Im Vergleich zur kleineren Filiale, die ich bisher besuchte, erschien sie mir besser sortiert. Zudem wiesen die Verkäuferinnen ein erheblich größeres Fachwissen auf.

Meine Beute:

  • drei wunderschöne Romanitstoffe für ein Kleid (nicht im Bild, rostorange) und zwei Röcke (senffarben und rot zuoberst im Stapel)
  • zwei Sweat-Stoffe für eine Jogginghose aus dem wunderbaren Buch „Sew me“, aus dem ich bereits die T-Shirts und eine kurze Hose genäht habe (türkis und Schwarz-weiß-Muster von „Hamburger Liebe“)

  • ein schöner 70er-Jahre Retro-Stoff aus festem Canvas für zwei Kissen mit Hotelverschluss (hier als Probe im Bild, wie es sich zukünftig farblich einfügen wird)

In diesem Sinne: mein Ostern wird nicht langweilig, ich habe einiges zu tun! Euch allen wünsche ich erholsame Feiertage und kreative Ideen.

Schwestern

Zum heutigen Internationalen Frauentag wünsche ich allen Frauen auf dieser Welt, dass sie

  • die Freiheit haben, über ihren Körper frei zu bestimmen
  • sich ohne Angst im freien Raum bewegen können
  • für ihre Arbeit gleich entlohnt werden
  • wählen können, ob sie Kinder in die Welt setzen

Bei uns im Betrieb wurden Rosen verteilt, am Frauen*streik hat keine Kollegin teilgenommen, auch ich nicht.
Mit diesen Zeilen zeige ich meine Solidarität mit den vielen Frauen, die heute auf die Straße gehen. Ich teile ihren Unmut über die bestehenden Gesellschaftsstrukturen, die es Frauen noch immer nicht ermöglichen, die gleichen Rechte wie Männer zu haben.

Den 8. März nehme ich zum Anlass, euch eine kleine Literaturliste zu präsentieren. Sie enthält Titel, die ich in den letzten 15 Jahren gelesen habe, teilweise habe ich sie bereits auf meinem Blog vorgestellt (mit Link versehen).

  1. Ehrhardt, Ute: Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin
  2. Ehrhardt, Ute: Und jeden Tag ein bisschen böser
  3. Grabrucker, Marianne: „Typisch Mädchen …“
  4. Hager, Angelika: Schneewittchen-Fieber
  5. Klemm, Gertraud: Aberland
  6. Lerner, Harriet: Wohin mit meiner Wut?
  7. Mika, Basha: Die Feigheit der Frauen
  8. Reinhard, Rebekka: Kleine Philosophie der Macht
  9. Sick, Helma: Ein Mann ist keine Altersvorsorge
  10. Sveland, Maria: Bitterfotze

100 Jahre

Vor 100 Jahren – am 19. Januar 1919 – hatten Frauen in Deutschland erstmalig die Möglichkeit, ihre Stimme an der Wahlurne abzugeben.
Ich bin allen Frauen dankbar, die damals mit viel Mut und Zivilcourage dieses und andere Rechte für Frauen erkämpft haben, teilweise unter Einsatz ihres Lebens.
Es ist noch immer viel zu tun, aber es ist schon viel erreicht.

Zum Weiterlesen, -sehen und -hören:

Website zu 100 Jahren Frauenwahlrecht (EAF – Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin e.V.)

Frauenwahlrecht (bpb – Bundeszentrale für Politische Bildung)

Frauenbiografien (fembio.org.)

Film zum Schweizer Frauenwahlrecht – »Die göttliche Ordnung (2017)«

Film zum US-amerikanischen Frauenwahlrecht – »Votes for Women (1997)« und »Suffragette – Taten statt Worte (2015)« 

Rohner, Isabel ; Beerheide, Rebecca: 100 Jahre Frauenwahlrecht – Ziel erreicht! … und weiter? (Ulrike Helmer Verlag)

Feministische Häppchen – Teil 1

Es ist mal wieder an der Zeit, ein paar feministische Gedanken niederzuschreiben bzw. die der anderen zu diesem Thema zu kommentieren. In der Folge werde ich sie „Feministische Häppchen“ nennen. Es sind keine ausladenden Texte, vielmehr verweisen sie auf interessante Zeitungsartikel und Blogeinträge und sollen Appetit machen,  sich mit feministischen Themen zu beschäftigen.

Cause we all know:
the fight has changed, the stereotypes remain, and the cause will never die.


Anlass, diesen Beitrag zu schreiben gab mir die Lektüre des Buches „Die potente Frau“ von Svenja Flaßpöhler. Ein dünnes Büchlein von knapp 40 Seiten, das permanent in den Bücherhallen ausgeliehen war, so dass ich es erst Wochen später in die Hände bekam.
Zunächst liest es sich angenehm erfrischend, wenn in Zeiten männlicher Übergriffe auch weibliche Stimmen laut werden, die sagen: Frauen, bemächtigt euch eurer Stärke, seid keine Opfer, ihr könnt euch wehren. Wenn es dann allerdings abgleitet, und Begriffe wie „Verführung“ im Rahmen einer Diskussion über sexuelle Nötigung und Gewalt genannt werden, wird es Zeit, noch einmal innezuhalten.

Und nicht einmal ansatzweise wird erkannt, für welche Welt da eigentlich gekämpft wird, wenn nicht nur die Vergewaltigung, sondern auch die Belästigung aus ihr verschwinden soll. […] Daraus folgt: Wer eine Welt ohne Belästigung will, will in letzter Konsequenz eine Welt ohne Verführung. Kein Menschen kann eine solche Welt ernsthaft wollen. (S. 13-14)

Frau Flaßpöhlers Buch beginnt interessant, schnell jedoch wird die #metoo-Kampagne, die es vielen Frauen ermöglicht hat, offen über Unterdrückung von und Gewalt an Frauen zu sprechen als Wiederholung patriarchaler Denkmuster betitelt.

[…] Tatsächlich sind es Initiativen wie #aufschrei, #neinheißtnein und #metoo, die, trotz allen emanzipatorischen Willens, patriarchale Denkmuster blindlings wiederholen und damit eben jene Wirklichkeit festschreiben, die sie beklagen: Gegen Belästigungen ist die Frau machtlos; sie kann sich nicht wehren; das männliche Begehren ist allmächtig, das weibliche nicht existent. (S. 9)

Des Weiteren bemängelt sie die Heterogenität der #metoo-Frauen und die weit zurückliegenden angeprangerten Fälle, die von „alten Männern“ begangen wurden.

Die Autorin schreibt viel über Selbstermächtigung, ob im privaten oder im beruflichen Kontext, lässt jedoch außen vor, dass es Lebenssituationen von Frauen gibt, in denen sie keine Wahl haben und ein NEIN Entlassung oder Schlimmeres zur Folge hat. Zu ihrer eigenen Entlastung − so hat es zumindest für mich den Anschein − distanziert sich Frau Flaßpöhler davon, Nötigung und  Vergewaltigung seien lapidare Themen. Ihre Behauptung allerdings, Vergewaltigung sei immer noch die Ausnahme ist aus meiner Sicht eine gewagte These. Gemäß einer EU-Studie aus dem Jahr 2014 mit 42 000 befragten Frauen wird „eine von zwanzig Frauen […] vergewaltigt, eine von zehn erlebt andere Formen sexueller Gewalt.“ (Quelle: Die 7 wichtigsten Fakten zu sexueller Gewalt, Süddeutsche Zeitung, 27.04.2016).

Um es klar zu sagen: Es gibt Situationen, in denen Frauen keine Chance haben. Ich bin weit davon entfernt, Vergewaltigung oder Nötigung Kleinzureden. Aber Vergewaltigung ist immer noch die Ausnahme. Wenn ich mich belästigt fühle, dann bin ich – in der Regel – der Situation keineswegs ausgeliefert. Ich kann kontern oder auch auf charmante Weise zum Ausdruck bringen, dass ich kein Interesse habe. […] Ich kann, wie man so schön sagt, einen Mann vor den Kopf stoßen, indem ich seinem Willen nicht entspreche. Kurz: Ich kann mich dem männlichen Wunsch, mit mir zu schlafen, in aller Regel widersetzen, ohne Gefahr zu laufen, körperliche Gewalt zu erfahren […]. (S. 14)

Nachdem ich dann eine erhitzte Diskussion mit meinem feministisch-gesinnten Liebsten führte, der neben den hinterfragenswürdigen Thesen der Autorin auch ihren Schreibstil gruselig fand, wollte ich Frau Flaßpöhler einmal im Interview erleben. Bei Maybrit Illner (ZDF) in der Ausstrahlung vom 01.02.2018 diskutierte sie u.a. mit Anne Wizorek, Initiatorin von #aufschrei. Letztere wies auf das Grundproblem hin, dass Frau Flaßpöhler geflissentlich in ihrer Beweisführung übersähe, dass das Patriarchat leider noch nicht überwunden sei. Frauen müssten keine Angst haben und sich zur Wehr setzen, wenn die Machtverhältnisse ausgeglichener wären. Sie sind es nur leider noch immer nicht. Das Patentrezept ist leider nicht ein gut ausgeprägtes Selbstbewusstsein, das ich jeder Frau von Herzen wünsche. Es schützt nicht vor Übergriffen, sogar in Selbstverteidigungskursen ist Weglaufen das erste Mittel, nicht der direkte Kampf, in dem viele Frauen unterlägen.

Für Frau Flaßpöhler ist die #metoo-Debatte eine Infantilisierung der Frauen, die sich zur Wehr setzen könnten, es nicht tun und stattdessen stillhalten und sich „beklagen“ und − schlimmer noch − „nachtreten“.

Was nützt ein nachträgliches Anprangern von Überschreitungen, die man hätte verhindern können? Halte still und beklage dich hinterher – ist dieses hilflose Nachtreten wirklich das Verständnis von Selbstermächtigung und Emanzipation, das wir unseren Töchtern mit auf den Weg geben wollen? Tatsächlich festigt #metoo ein zutiefst patriarchal geprägtes, von Passivität und Negativität gezeichnetes Frauenbild, anstatt es aufzubrechen. (S. 16)

Es gäbe noch weitere Punkte in diesem Buch zu diskutieren. Ich übergebe jedoch an dieser Stelle an Personen, deren Beiträge fundierter sind als meine:

“Pillars of our democracy” – Toni Morrison

Als „Säulen unserer Demokratie“ bezeichnete die afroamerikanische Autorin Toni Morrison einst Bibliotheken. Khalil Gibran Muhammad, früherer Direktor des Schomburg Center for Research in Black Culture, eine Forschungsbibliothek der New York Public Library (NYPL), bedient sich im Film „Ex Libris – Die  Public Library in New York“ ihrer Worte.
Ein knapp dreieinhalbstündiger Film eines beeindruckenden Dokumentarfilmes, den ich mir am letzten Feiertag zusammen mit meiner bibliothekarischen Freundin Schrägstrich Kollegin angeschaut habe.

Als Bibliothekarin weiß ich, dass ich einen wunderbaren Beruf ausübe. Es ist jedoch schön, große Worte über diese Bildungseinrichtungen in einem Kinosaal zu hören, und noch einmal wieder vorgeführt zu bekommen, wie vielfältig Bibliotheken sind. Sie stehen jedem Menschen offen, unabhängig vom Einkommen, Alter, Geschlecht und Hautfarbe.
Derzeit gibt es viel Diskussion über die Zukunft von Bibliotheken im Zeitalter des Internets, der schnellen Verfügbarkeit von Informationen und der damit einhergehenden Unabhängigkeit von Zeit und Ort. Der Beruf ist im Wandel, das stimmt.

Wer jedoch die Existenz von Bibliotheken infrage stellt, hat entweder

  • ein Bild von Bibliotheken aus seiner Kindheit im Kopf bzw. noch nie eine Bibliothek von innen gesehen und die ganz besondere Stimmung gespürt, die diese Räume ausstrahlen
  • kennt sich mit der Regelschutzfrist im Urheberrecht nicht aus, die in der Europäischen Union und der Schweiz dafür sorgt, dass sämtliche Publikationen 70 Jahre nach dem Tod der Autorin/ des Autors als gemeinfrei gelten und erst dann in digitalisierter Form bereitgestellt werden dürfen
  • oder hat so viel Geld, dass die Beschaffung sämtlicher Medien und die Bezahlung kostenpflichtiger Datenbanken (in denen ca. 70 % der über klassische Suchmaschinen nicht auffindbaren Informationen stecken) kein Problem darstellt.

„Ex Libris“ zeigt (beinahe) alle Facetten von Bibliotheken und ist eine wunderbare Reise in die Vergangenheit und Zukunft.

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Quelle: www.independent.co.uk

Gut zu lesen: „Die Idee der Bibliothek“ von Michael Knoche, dem ehemaligen Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek bei der Klassik Stiftung, Weimar

Gut zu hören: den Autoren in der SWR-Sendung „Bücherregale adé? Wie sich die Bibliotheken fit für die Zukunft machen“ vom 13.08.2018.