<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Gleichberechtigung</title>
	<atom:link href="https://dekorinnadeln.de/tag/gleichberechtigung/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://dekorinnadeln.de</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Sun, 18 Jan 2026 12:24:04 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>
	<item>
		<title>Schwestern</title>
		<link>https://dekorinnadeln.de/schwestern/</link>
					<comments>https://dekorinnadeln.de/schwestern/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[kora]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Mar 2019 14:13:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aus dem Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Emanzipation]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechtergerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Weltfrauentag]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://dekorinnadeln.de/?p=2163</guid>

					<description><![CDATA[Zum heutigen Internationalen Frauentag wünsche ich allen Frauen auf dieser Welt, dass sie die Freiheit haben, über ihren Körper frei zu bestimmen sich ohne Angst im freien Raum bewegen können für ihre Arbeit gleich entlohnt werden wählen können, ob sie Kinder in die Welt setzen Bei uns im Betrieb wurden Rosen verteilt, am Frauen*streik hat keine Kollegin teilgenommen, auch ich nicht. Mit diesen Zeilen zeige ich meine Solidarität mit den vielen Frauen, die heute auf die Straße gehen. Ich teile ihren Unmut über die bestehenden Gesellschaftsstrukturen, die es Frauen noch immer nicht ermöglichen, die gleichen Rechte wie Männer zu haben. Den 8. März nehme ich zum Anlass, euch eine kleine Literaturliste zu präsentieren. Sie enthält Titel, die ich in den letzten 15 Jahren gelesen habe, teilweise habe ich sie bereits auf meinem Blog vorgestellt (mit Link versehen). Ehrhardt, Ute: Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin Ehrhardt, Ute: Und jeden Tag ein bisschen böser Grabrucker, Marianne: &#8222;Typisch Mädchen &#8230;&#8220; Hager, Angelika: Schneewittchen-Fieber Klemm, Gertraud: Aberland Lerner, Harriet: Wohin mit meiner Wut? Mika, Basha: Die Feigheit der Frauen Reinhard, Rebekka: Kleine Philosophie der Macht Sick, Helma: Ein Mann ist keine Altersvorsorge Sveland, Maria: Bitterfotze]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Zum heutigen Internationalen Frauentag wünsche ich allen Frauen auf dieser Welt, dass sie</p>
<ul>
<li>die Freiheit haben, über ihren Körper frei zu bestimmen</li>
<li>sich ohne Angst im freien Raum bewegen können</li>
<li>für ihre Arbeit gleich entlohnt werden</li>
<li>wählen können, ob sie Kinder in die Welt setzen</li>
</ul>
<p>Bei uns im Betrieb wurden Rosen verteilt, am Frauen*streik hat keine Kollegin teilgenommen, auch ich nicht.<br />
Mit diesen Zeilen zeige ich meine Solidarität mit den vielen Frauen, die heute auf die Straße gehen. Ich teile ihren Unmut über die bestehenden Gesellschaftsstrukturen, die es Frauen noch immer nicht ermöglichen, die gleichen Rechte wie Männer zu haben.</p>
<p>Den 8. März nehme ich zum Anlass, euch eine kleine Literaturliste zu präsentieren. Sie enthält Titel, die ich in den letzten 15 Jahren gelesen habe, teilweise habe ich sie bereits auf meinem Blog vorgestellt (mit Link versehen).</p>
<ol>
<li>Ehrhardt, Ute: Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin</li>
<li>Ehrhardt, Ute: Und jeden Tag ein bisschen böser</li>
<li>Grabrucker, Marianne: &#8222;Typisch Mädchen &#8230;&#8220;</li>
<li><a href="https://dekorinnadeln.de/retro-weibchen/" target="_blank" rel="noopener">Hager, Angelika: Schneewittchen-Fieber</a></li>
<li><a href="https://dekorinnadeln.de/ja-aber/" target="_blank" rel="noopener">Klemm, Gertraud: Aberland</a></li>
<li>Lerner, Harriet: Wohin mit meiner Wut?</li>
<li>Mika, Basha: Die Feigheit der Frauen</li>
<li><a href="https://dekorinnadeln.de/kleine-philosophie-der-macht/" target="_blank" rel="noopener">Reinhard, Rebekka: Kleine Philosophie der Macht</a></li>
<li>Sick, Helma: Ein Mann ist keine Altersvorsorge</li>
<li>Sveland, Maria: Bitterfotze</li>
</ol>
<div class="irecommendthis-wrapper"><a href="#" class="irecommendthis irecommendthis-post-2163" data-post-id="2163" data-like="Recommend this" data-unlike="Unrecommend this" aria-label="Recommend this" title="Recommend this"><span class="irecommendthis-count count-zero">0</span> <span class="irecommendthis-suffix"></span></a></div>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://dekorinnadeln.de/schwestern/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>100 Jahre</title>
		<link>https://dekorinnadeln.de/100-jahre/</link>
					<comments>https://dekorinnadeln.de/100-jahre/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[kora]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Jan 2019 19:10:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aus dem Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenwahlrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://dekorinnadeln.de/?p=2150</guid>

					<description><![CDATA[Vor 100 Jahren – am 19. Januar 1919 – hatten Frauen in Deutschland erstmalig die Möglichkeit, ihre Stimme an der Wahlurne abzugeben.Ich bin allen Frauen dankbar, die damals mit viel Mut und Zivilcourage dieses und andere Rechte für Frauen erkämpft haben, teilweise unter Einsatz ihres Lebens. Es ist noch immer viel zu tun, aber es ist schon viel erreicht. Zum Weiterlesen, -sehen und -hören: Website zu 100 Jahren Frauenwahlrecht (EAF &#8211; Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin e.V.) Frauenwahlrecht (bpb &#8211; Bundeszentrale für Politische Bildung) Frauenbiografien (fembio.org.) Film zum Schweizer Frauenwahlrecht &#8211; »Die göttliche Ordnung (2017)« Film zum US-amerikanischen Frauenwahlrecht &#8211; »Votes for Women (1997)« und »Suffragette &#8211; Taten statt Worte (2015)«  Rohner, Isabel ; Beerheide, Rebecca: 100 Jahre Frauenwahlrecht – Ziel erreicht! … und weiter? (Ulrike Helmer Verlag)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Vor 100 Jahren – am 19. Januar 1919 – hatten Frauen in Deutschland erstmalig die Möglichkeit, ihre Stimme an der Wahlurne abzugeben.<br>Ich bin allen Frauen dankbar, die damals mit viel Mut und Zivilcourage dieses und andere Rechte für Frauen erkämpft haben, teilweise unter Einsatz ihres Lebens. <br>Es ist noch immer viel zu tun, aber es ist schon viel erreicht.</p>



<p><strong>Zum Weiterlesen, -sehen und -hören:</strong></p>



<p><a href="https://hundertjahrefrauenwahlrecht.de/">Website zu 100 Jahren Frauenwahlrecht</a> (EAF &#8211; Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin e.V.)</p>



<p><a href="http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/frauenwahlrecht/">Frauenwahlrecht</a> (bpb &#8211; Bundeszentrale für Politische Bildung)</p>



<p><a href="http://www.fembio.org">Frauenbiografien</a> (fembio.org.)</p>



<p>Film zum Schweizer Frauenwahlrecht &#8211; <a href="https://dekorinnadeln.de/gelebte-gleichberechtigung/">»Die göttliche Ordnung (2017)«</a></p>



<p>Film zum US-amerikanischen Frauenwahlrecht &#8211; <a href="https://www.imdb.com/title/tt4196064/">»Votes for Women (1997)« </a>und <a href="https://www.imdb.com/title/tt3077214/">»Suffragette &#8211; Taten statt Worte (2015)«</a> </p>



<p><a href="https://frauenrechte.de/online/tdf-online-shop/frauenrechte-literatur/buch-100-jahre-frauenwahlrecht-ziel-erreicht-und-weiter">Rohner, Isabel ; Beerheide, Rebecca: 100 Jahre Frauenwahlrecht – Ziel erreicht! … und weiter?</a> (Ulrike Helmer Verlag)</p>
<div class="irecommendthis-wrapper"><a href="#" class="irecommendthis irecommendthis-post-2150" data-post-id="2150" data-like="Recommend this" data-unlike="Unrecommend this" aria-label="Recommend this" title="Recommend this"><span class="irecommendthis-count">1</span> <span class="irecommendthis-suffix"></span></a></div>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://dekorinnadeln.de/100-jahre/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Feministische Häppchen &#8211; Teil 1</title>
		<link>https://dekorinnadeln.de/feministische-haeppchen-teil-1/</link>
					<comments>https://dekorinnadeln.de/feministische-haeppchen-teil-1/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[kora]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Nov 2018 07:00:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aus dem Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[#metoo]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechtergerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[sexuelle Gewalt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://dekorinnadeln.de/?p=2084</guid>

					<description><![CDATA[Es ist mal wieder an der Zeit, ein paar feministische Gedanken niederzuschreiben bzw. die der anderen zu diesem Thema zu kommentieren. In der Folge werde ich sie &#8222;Feministische Häppchen&#8220; nennen. Es sind keine ausladenden Texte, vielmehr verweisen sie auf interessante Zeitungsartikel und Blogeinträge und sollen Appetit machen,  sich mit feministischen Themen zu beschäftigen. Cause we all know: the fight has changed, the stereotypes remain, and the cause will never die. Anlass, diesen Beitrag zu schreiben gab mir die Lektüre des Buches &#8222;Die potente Frau&#8220; von Svenja Flaßpöhler. Ein dünnes Büchlein von knapp 40 Seiten, das permanent in den Bücherhallen ausgeliehen war, so dass ich es erst Wochen später in die Hände bekam. Zunächst liest es sich angenehm erfrischend, wenn in Zeiten männlicher Übergriffe auch weibliche Stimmen laut werden, die sagen: Frauen, bemächtigt euch eurer Stärke, seid keine Opfer, ihr könnt euch wehren. Wenn es dann allerdings abgleitet, und Begriffe wie &#8222;Verführung&#8220; im Rahmen einer Diskussion über sexuelle Nötigung und Gewalt genannt werden, wird es Zeit, noch einmal innezuhalten. Und nicht einmal ansatzweise wird erkannt, für welche Welt da eigentlich gekämpft wird, wenn nicht nur die Vergewaltigung, sondern auch die Belästigung aus ihr verschwinden soll. [&#8230;] Daraus folgt: Wer eine Welt ohne Belästigung will, will in letzter Konsequenz eine Welt ohne Verführung. Kein Menschen kann eine solche Welt ernsthaft wollen. (S. 13-14) Frau Flaßpöhlers Buch beginnt interessant, schnell jedoch wird die #metoo-Kampagne, die es vielen Frauen ermöglicht hat, offen über Unterdrückung von und Gewalt an Frauen zu sprechen als Wiederholung patriarchaler Denkmuster betitelt. [&#8230;] Tatsächlich sind es Initiativen wie #aufschrei, #neinheißtnein und #metoo, die, trotz allen emanzipatorischen Willens, patriarchale Denkmuster blindlings wiederholen und damit eben jene Wirklichkeit festschreiben, die sie beklagen: Gegen Belästigungen ist die Frau machtlos; sie kann sich nicht wehren; das männliche Begehren ist allmächtig, das weibliche nicht existent. (S. 9) Des Weiteren bemängelt sie die Heterogenität der #metoo-Frauen und die weit zurückliegenden angeprangerten Fälle, die von &#8222;alten Männern&#8220; begangen wurden. Die Autorin schreibt viel über Selbstermächtigung, ob im privaten oder im beruflichen Kontext, lässt jedoch außen vor, dass es Lebenssituationen von Frauen gibt, in denen sie keine Wahl haben und ein NEIN Entlassung oder Schlimmeres zur Folge hat. Zu ihrer eigenen Entlastung − so hat es zumindest für mich den Anschein − distanziert sich Frau Flaßpöhler davon, Nötigung und  Vergewaltigung seien lapidare Themen. Ihre Behauptung allerdings, Vergewaltigung sei immer noch die Ausnahme ist aus meiner Sicht eine gewagte These. Gemäß einer EU-Studie aus dem Jahr 2014 mit 42 000 befragten Frauen wird &#8222;eine von zwanzig Frauen [&#8230;] vergewaltigt, eine von zehn erlebt andere Formen sexueller Gewalt.&#8220; (Quelle: Die 7 wichtigsten Fakten zu sexueller Gewalt, Süddeutsche Zeitung, 27.04.2016). Um es klar zu sagen: Es gibt Situationen, in denen Frauen keine Chance haben. Ich bin weit davon entfernt, Vergewaltigung oder Nötigung Kleinzureden. Aber Vergewaltigung ist immer noch die Ausnahme. Wenn ich mich belästigt fühle, dann bin ich – in der Regel – der Situation keineswegs ausgeliefert. Ich kann kontern oder auch auf charmante Weise zum Ausdruck bringen, dass ich kein Interesse habe. [&#8230;] Ich kann, wie man so schön sagt, einen Mann vor den Kopf stoßen, indem ich seinem Willen nicht entspreche. Kurz: Ich kann mich dem männlichen Wunsch, mit mir zu schlafen, in aller Regel widersetzen, ohne Gefahr zu laufen, körperliche Gewalt zu erfahren [&#8230;]. (S. 14) Nachdem ich dann eine erhitzte Diskussion mit meinem feministisch-gesinnten Liebsten führte, der neben den hinterfragenswürdigen Thesen der Autorin auch ihren Schreibstil gruselig fand, wollte ich Frau Flaßpöhler einmal im Interview erleben. Bei Maybrit Illner (ZDF) in der Ausstrahlung vom 01.02.2018 diskutierte sie u.a. mit Anne Wizorek, Initiatorin von #aufschrei. Letztere wies auf das Grundproblem hin, dass Frau Flaßpöhler geflissentlich in ihrer Beweisführung übersähe, dass das Patriarchat leider noch nicht überwunden sei. Frauen müssten keine Angst haben und sich zur Wehr setzen, wenn die Machtverhältnisse ausgeglichener wären. Sie sind es nur leider noch immer nicht. Das Patentrezept ist leider nicht ein gut ausgeprägtes Selbstbewusstsein, das ich jeder Frau von Herzen wünsche. Es schützt nicht vor Übergriffen, sogar in Selbstverteidigungskursen ist Weglaufen das erste Mittel, nicht der direkte Kampf, in dem viele Frauen unterlägen. Für Frau Flaßpöhler ist die #metoo-Debatte eine Infantilisierung der Frauen, die sich zur Wehr setzen könnten, es nicht tun und stattdessen stillhalten und sich &#8222;beklagen&#8220; und − schlimmer noch − &#8222;nachtreten&#8220;. Was nützt ein nachträgliches Anprangern von Überschreitungen, die man hätte verhindern können? Halte still und beklage dich hinterher – ist dieses hilflose Nachtreten wirklich das Verständnis von Selbstermächtigung und Emanzipation, das wir unseren Töchtern mit auf den Weg geben wollen? Tatsächlich festigt #metoo ein zutiefst patriarchal geprägtes, von Passivität und Negativität gezeichnetes Frauenbild, anstatt es aufzubrechen. (S. 16) Es gäbe noch weitere Punkte in diesem Buch zu diskutieren. Ich übergebe jedoch an dieser Stelle an Personen, deren Beiträge fundierter sind als meine: Plattform Pinkstinks: &#8222;Die ignorante Frau&#8220; (der Beitrag eines Mannes) Der Spiegel: &#8222;Potent, aber daneben&#8220; (Kolumne von Margarete Stokowski) Zeitung der freitag: &#8222;Zeigt Potenz&#8220; (Interview mit der Autorin, geführt von Simone Schmollack)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist mal wieder an der Zeit, ein paar feministische Gedanken niederzuschreiben bzw. die der anderen zu diesem Thema zu kommentieren. In der Folge werde ich sie &#8222;Feministische Häppchen&#8220; nennen. Es sind keine ausladenden Texte, vielmehr verweisen sie auf interessante Zeitungsartikel und Blogeinträge und sollen Appetit machen,  sich mit feministischen Themen zu beschäftigen.</p>
<p><strong>Cause we all know:<br />
the fight has changed, the stereotypes remain, and the cause will never die.</strong></p>
<hr />
<p>Anlass, diesen Beitrag zu schreiben gab mir die Lektüre des Buches &#8222;Die potente Frau&#8220; von Svenja Flaßpöhler. Ein dünnes Büchlein von knapp 40 Seiten, das permanent in den Bücherhallen ausgeliehen war, so dass ich es erst Wochen später in die Hände bekam.<br />
Zunächst liest es sich angenehm erfrischend, wenn in Zeiten männlicher Übergriffe auch weibliche Stimmen laut werden, die sagen: Frauen, bemächtigt euch eurer Stärke, seid keine Opfer, ihr könnt euch wehren. Wenn es dann allerdings abgleitet, und Begriffe wie &#8222;Verführung&#8220; im Rahmen einer Diskussion über sexuelle Nötigung und Gewalt genannt werden, wird es Zeit, noch einmal innezuhalten.</p>
<blockquote><p>Und nicht einmal ansatzweise wird erkannt, für welche Welt da eigentlich gekämpft wird, wenn nicht nur die Vergewaltigung, sondern auch die Belästigung aus ihr verschwinden soll. [&#8230;] Daraus folgt: Wer eine Welt ohne Belästigung will, will in letzter Konsequenz eine Welt ohne Verführung. Kein Menschen kann eine solche Welt ernsthaft wollen. (S. 13-14)</p></blockquote>
<p>Frau Flaßpöhlers Buch beginnt interessant, schnell jedoch wird die #metoo-Kampagne, die es vielen Frauen ermöglicht hat, offen über Unterdrückung von und Gewalt an Frauen zu sprechen als Wiederholung patriarchaler Denkmuster betitelt.</p>
<blockquote><p>[&#8230;] Tatsächlich sind es Initiativen wie #aufschrei, #neinheißtnein und #metoo, die, trotz allen emanzipatorischen Willens, patriarchale Denkmuster blindlings wiederholen und damit eben jene Wirklichkeit festschreiben, die sie beklagen: Gegen Belästigungen ist die Frau machtlos; sie kann sich nicht wehren; das männliche Begehren ist allmächtig, das weibliche nicht existent. (S. 9)</p></blockquote>
<p>Des Weiteren bemängelt sie die Heterogenität der #metoo-Frauen und die weit zurückliegenden angeprangerten Fälle, die von &#8222;alten Männern&#8220; begangen wurden.</p>
<p>Die Autorin schreibt viel über Selbstermächtigung, ob im privaten oder im beruflichen Kontext, lässt jedoch außen vor, dass es Lebenssituationen von Frauen gibt, in denen sie keine Wahl haben und ein NEIN Entlassung oder Schlimmeres zur Folge hat. Zu ihrer eigenen Entlastung − so hat es zumindest für mich den Anschein − distanziert sich Frau Flaßpöhler davon, Nötigung und  Vergewaltigung seien lapidare Themen. Ihre Behauptung allerdings, Vergewaltigung sei immer noch die Ausnahme ist aus meiner Sicht eine gewagte These. Gemäß einer EU-Studie aus dem Jahr 2014 mit 42 000 befragten Frauen wird &#8222;eine von zwanzig Frauen [&#8230;] vergewaltigt, eine von zehn erlebt andere Formen sexueller Gewalt.&#8220; (<a href="https://www.sueddeutsche.de/panorama/vergewaltigung-die-wichtigsten-fakten-zu-sexueller-gewalt-1.2937498" target="_blank" rel="noopener">Quelle: Die 7 wichtigsten Fakten zu sexueller Gewalt, Süddeutsche Zeitung, 27.04.2016</a>).</p>
<blockquote><p>Um es klar zu sagen: Es gibt Situationen, in denen Frauen keine Chance haben. Ich bin weit davon entfernt, Vergewaltigung oder Nötigung Kleinzureden. Aber Vergewaltigung ist immer noch die Ausnahme. Wenn ich mich belästigt fühle, dann bin ich – in der Regel – der Situation keineswegs ausgeliefert. Ich kann kontern oder auch auf charmante Weise zum Ausdruck bringen, dass ich kein Interesse habe. [&#8230;] Ich kann, wie man so schön sagt, einen Mann vor den Kopf stoßen, indem ich seinem Willen nicht entspreche. Kurz: Ich kann mich dem männlichen Wunsch, mit mir zu schlafen, in aller Regel widersetzen, ohne Gefahr zu laufen, körperliche Gewalt zu erfahren [&#8230;]. (S. 14)</p></blockquote>
<p>Nachdem ich dann eine erhitzte Diskussion mit meinem feministisch-gesinnten Liebsten führte, der neben den hinterfragenswürdigen Thesen der Autorin auch ihren Schreibstil gruselig fand, wollte ich Frau Flaßpöhler einmal im Interview erleben. Bei Maybrit Illner (ZDF) in der Ausstrahlung vom 01.02.2018 diskutierte sie u.a. mit Anne Wizorek, Initiatorin von #aufschrei. Letztere wies auf das Grundproblem hin, dass Frau Flaßpöhler geflissentlich in ihrer Beweisführung übersähe, dass das Patriarchat leider noch nicht überwunden sei. Frauen müssten keine Angst haben und sich zur Wehr setzen, wenn die Machtverhältnisse ausgeglichener wären. Sie sind es nur leider noch immer nicht. Das Patentrezept ist leider nicht ein gut ausgeprägtes Selbstbewusstsein, das ich jeder Frau von Herzen wünsche. Es schützt nicht vor Übergriffen, sogar in Selbstverteidigungskursen ist Weglaufen das erste Mittel, nicht der direkte Kampf, in dem viele Frauen unterlägen.</p>
<p>Für Frau Flaßpöhler ist die #metoo-Debatte eine Infantilisierung der Frauen, die sich zur Wehr setzen könnten, es nicht tun und stattdessen stillhalten und sich &#8222;beklagen&#8220; und − schlimmer noch − &#8222;nachtreten&#8220;.</p>
<blockquote><p>Was nützt ein nachträgliches Anprangern von Überschreitungen, die man hätte verhindern können? Halte still und beklage dich hinterher – ist dieses hilflose Nachtreten wirklich das Verständnis von Selbstermächtigung und Emanzipation, das wir unseren Töchtern mit auf den Weg geben wollen? Tatsächlich festigt #metoo ein zutiefst patriarchal geprägtes, von Passivität und Negativität gezeichnetes Frauenbild, anstatt es aufzubrechen. (S. 16)</p></blockquote>
<p>Es gäbe noch weitere Punkte in diesem Buch zu diskutieren. Ich übergebe jedoch an dieser Stelle an Personen, deren Beiträge fundierter sind als meine:</p>
<ul>
<li>Plattform<em> Pinkstinks: </em>&#8222;<a href="https://pinkstinks.de/die-ignorante-frau/" target="_blank" rel="noopener">Die ignorante Frau</a>&#8220; (der Beitrag eines Mannes)</li>
<li>Der Spiegel: <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/metoo-debatte-sextagebuecher-wann-anders-kolumne-von-margarete-stokowski-a-1206799.html" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Potent, aber daneben&#8220;</a> (Kolumne von Margarete Stokowski)</li>
<li>Zeitung <em>der freitag:</em> &#8222;<a href="https://www.freitag.de/autoren/simone-schmollack/zeigt-potenz" target="_blank" rel="noopener">Zeigt Potenz</a>&#8220; (Interview mit der Autorin, geführt von Simone Schmollack)</li>
</ul>
<div class="irecommendthis-wrapper"><a href="#" class="irecommendthis irecommendthis-post-2084" data-post-id="2084" data-like="Recommend this" data-unlike="Unrecommend this" aria-label="Recommend this" title="Recommend this"><span class="irecommendthis-count">1</span> <span class="irecommendthis-suffix"></span></a></div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://dekorinnadeln.de/feministische-haeppchen-teil-1/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gelebte Gleichberechtigung</title>
		<link>https://dekorinnadeln.de/gelebte-gleichberechtigung/</link>
					<comments>https://dekorinnadeln.de/gelebte-gleichberechtigung/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[kora]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Sep 2017 09:36:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aus dem Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://dekorinnadeln.de/?p=1732</guid>

					<description><![CDATA[Wenn man aus dem Kino kommt, wo man einen Film über die Erkämpfung des schweizerischen Frauenwahlrechts gesehen hat und man Tränen der Rührung vergossen hat über diese mutigen Frauen, die so viel für ihre und kommende Frauengenerationen erkämpft haben, kann man sich schon sehr glücklich schätzen. Wenn man dann mit dem Partner telefoniert, der gerade sein Abendessen kocht und erzählt, die zweite Wäsche würde gerade durchlaufen, und ob er etwas vorbereiten könne, wenn die Frau nach Haus kommt, dann weiß man, wie viel schon erreicht ist. So ging es mir letzten Montag. Ich bin dankbar, dass ich einen solchen Mann an meiner Seite habe und wünsche allen Frauen, dass es ihnen ebenso geht oder sie den Mut haben, sich ihren Freiraum zu erstreiten. Es geht nicht ohne die Männer, aber wir Frauen müssen am Ball bleiben, damit wir unsere Rechte behalten. Es ist noch immer viel zu tun!]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man aus dem Kino kommt, wo man einen <a title="Die göttliche Ordnung" href="https://www.imdb.com/de/title/tt5818818/" target="_blank" rel="noopener">Film über die Erkämpfung des schweizerischen Frauenwahlrechts</a> gesehen hat und man Tränen der Rührung vergossen hat über diese mutigen Frauen, die so viel für ihre und kommende Frauengenerationen erkämpft haben, kann man sich schon sehr glücklich schätzen.<br />
Wenn man dann mit dem Partner telefoniert, der gerade sein Abendessen kocht und erzählt, die zweite Wäsche würde gerade durchlaufen, und ob er etwas vorbereiten könne, wenn die Frau nach Haus kommt, dann weiß man, wie viel schon erreicht ist.</p>
<p>So ging es mir letzten Montag. Ich bin dankbar, dass ich einen solchen Mann an meiner Seite habe und wünsche allen Frauen, dass es ihnen ebenso geht oder sie den Mut haben, sich ihren Freiraum zu erstreiten.</p>
<p>Es geht nicht ohne die Männer, aber wir Frauen müssen am Ball bleiben, damit wir unsere Rechte behalten. Es ist noch immer viel zu tun!</p>
<div class="irecommendthis-wrapper"><a href="#" class="irecommendthis irecommendthis-post-1732" data-post-id="1732" data-like="Recommend this" data-unlike="Unrecommend this" aria-label="Recommend this" title="Recommend this"><span class="irecommendthis-count count-zero">0</span> <span class="irecommendthis-suffix"></span></a></div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://dekorinnadeln.de/gelebte-gleichberechtigung/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kleine Philosophie der Macht</title>
		<link>https://dekorinnadeln.de/kleine-philosophie-der-macht/</link>
					<comments>https://dekorinnadeln.de/kleine-philosophie-der-macht/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[kora]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Dec 2016 11:14:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Emazipation]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterstereotype]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[weibliche Sozialisation]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://dekorinnadeln.de/?p=1505</guid>

					<description><![CDATA[Ich wünsche für die Frauen keine Macht über Männer, aber die Macht über sich selbst (MARY WOLLSTONECRAFT) Zum Jahresende habe ich ein Buch gelesen, das bereits länger auf meiner (feministischen) Buchliste stand: &#8222;Kleine Philosophie der Macht &#8211; nur für Frauen&#8220; von der Philosophin und Autorin Rebekka Reinhard. Es ist unterteilt in drei große Themenblöcke, angereichert mit praktischen Tipps am Ende eines jeden Kapitels. Ich habe es fast in einem Rutsch durchgelesen und gleich an eine liebe Freundin weiterverliehen, obwohl ich meine &#8222;Aufzeichnungen&#8220; noch nicht abgeschlossen hatte. Vielleicht auch gut, denn mir haben viele Passagen sehr zugesagt, so dass die Zitatfülle sehr dicht ist, und höchstwahrscheinlich noch dichter wäre, hätte ich das Buch noch in den Händen. Frau Reinhard beginnt im ersten Teil ihres Buches mit dem Hauptproblem vieler Frauen, zu perfektionistisch sein zu wollen, was zu Ohnmacht, Neid, respektlosem Umgang mit der eigenen Lebenszeit und der Angst zu Scheitern führe. Die moderne Frau wird nicht zur Perfektionistin, weil sie es (wirklich) will. Sie wird es aufgrund ihrer Außenlenkung. Weil sie von den anderen anerkannt werden will. Ist ihr Motiv nicht allzu verständlich? Braucht nicht jeder Mensch Anerkennung, egal welchen Geschlechts, welchen Alters, welcher Epoche?  [&#8230;] Wenn man die &#8222;Ich muss&#8220;-Frau &#8218;liked&#8218;, ihre übermenschlichen Leistungen mit &#8222;Super&#8220; quittiert, motiviert man sie ganz und gar nicht, den Schleuderprozess ihrer kleinen grauen Zellen abzustellen und ihre Gedanken in eine andere Richtung zu drehen. Man spornt sie vielmehr an, sich auch weiter konform zu verhalten, nicht auszuscheren und kontinuierlich vor sich hin zu ameisen. [&#8230;] Hinter dem &#8222;Ich muss&#8220; verstecken sich unangenehme Gefühle, die mit den Erwartungen und de Situation anderer Leute zu tun haben. Schuldgefühle. Versagensangst. Stressangst. Angst, nicht mithalten zu können. Im Wettlauf um den Titel der besten Mitarbeiterin, der beliebtesten Kollegin, der empathischsten Ehefrau, der coolsten Mutter nur Platz zwei zu belegen. Und Neid. Neid? Jawohl. Neid auf die Männer, die weniger kämpfen müssen als wir. Und Neid auf die anderen Frauen. Besonders auf die, die irgendwie alles besser machen als wir. Irgendwie immer glücklicher sind. Der Neid ist ein Verwandter der Eifersucht und des Hasses. [&#8230;] Je perfektionistischer die moderne Frau, desto außengelenkter. Begegnet die Außengelenkte einer Frau, die ihr perfekter erscheint als sie selbst, &#8218;muss&#8216; sie sich verletzt, gekränkt fühlen. Was sie durch all ihr Denken und Tun zurückzudrängen versuchte, erfasst sie nun mit voller Wucht: Ohnmacht. Ohnmacht gegenüber denen, die ihr ihre Unzulänglichkeit spiegeln. Ohnmacht aber auch sich selbst, dem eigenen Leben gegenüber. Die Folge dieser demütigenden Erfahrung ist jedoch nicht, dass die Perfektionsarbeiterin alles stehen und liegen lässt und versucht, mächtig zu werden. Die Folge ist vielmehr, dass sie einen Zahn zulegt. Ihre grauen Zellen schleudern wie wild ihre Berechnungen, Bewertungen und Befürchtungen heraus, sie erledigt alles noch schneller, noch gleichzeitiger, noch selbst-beherrschter, noch perfekter. Und immer noch bleibt die echte Anerkennung aus. Obwohl sie nichts tut, als sich anzustrengen &#8230; bis irgendwann nicht mehr alles so &#8222;Super!&#8220; ist. (S. 39-41) Anscheinend haben viele Frauen Schwierigkeiten damit, Macht auszuüben, da sie häufig selbst nicht wissen, was sie wollen. Aus einer unsicheren Position ist es verständlicherweise schwierig, Forderungen zu formulieren. Macht hat mich machen zu tun. Und mit machen &#8218;lassen&#8216;. Es geht darum, jemanden etwas tun zu lassen, das &#8218;Ihren&#8216; Zielen und Werten entspricht. Wenn Sie an übersteigertem Perfektionismus leiden, ist dieser Jemand &#8218;Sie selbst&#8216;. Lassen Sie sich einmal selbst machen! Lassen Sie sich gewähren. Überlassen Sie die Macht nicht einer Masse außengelenkter, vereinsamter Hirnloser − erteilen Sie sich selbst die Macht über Ihr Leben. Das ist durchaus machbar. Sie müssen nur wissen, was Sie (wirklich) wollen. (S. 42-43) Frau Reinhard benennt sehr treffend, dass der übersteigerte Perfektionismus (ob im Job oder in der Familie) die Frau von sich selbst ablenkt. Sie reibt sich auf, erhält keine Dank und geht mit ihren eigenen Wünschen und Träumen unter. Die von Kindesbeinen anerzogene Rolle des artigen Mädchens (auf das Frau Reinhard in Teil drei ihres Buches eingeht) führt zu keinem Erfolg, keiner Zufriedenheit. Der übersteigerte Perfektionismus verhindert, dass Sie Ihre wahren Werte und Prioritäten erkennen. Er bewirkt, dass Sie allem und allen gleich viel Wert beimessen − den Kindern, dem Job, dem Partner, den Eltrn, den Schwiegereltern, den anderen Leuten. Allem und allen, außer sich selbst. Natürlich sind Sie frei, sich ganz mit der Rolle der Perfekten zu identifizieren. Aber was ist der Preis? Pseudoanerkennung. Burn-out. Ohnmacht. Wandeln am Abgrund. Unkenntnis der eigenen Person und Ihrer wahren Möglichkeiten. [&#8230;] Sobald Sie anfangen, sich mehr nach Ihren eigenen Zielen und Werten zu richten und weniger nach den vermeintlichen Vorgaben anderer, werden Sie automatisch weniger perfekt sein. [&#8230;] Man wird Sie beneiden, weil Sie freier und mächtiger geworden sind. Weil Sie sich trauen und darauf vertrauen, Sie selbst zu sein. Wenn Leute Sie dafür beneiden, dass Sie die Macht haben, Sie selbst zu sein, und das zu realisieren, was Ihnen wirklich wichtig ist, können Sie stolz auf sich sein. Denn dann verbirgt sich hinter diesem Neid echte Bewunderung, echte Anerkennung. (S. 45-47) Da die Geschwindigkeit, in der viele Frauen ihren Aufgaben nachkommen, nicht ausreicht, da die Perfektion nicht erreichbar ist, strengt sie sich immer mehr an, arbeitet noch schneller, erledigt ihre Aufgaben noch gewissenhafter − und kollabiert irgendwann, wenn sie nicht lernt, einen Gang herunterzuschalten und hinzunehmen, dass sie nicht alles erreichen wird, was sie sich vielleicht einmal erträumt hat. Frau Reinhard erklärt dies anhand des Bildes einer Schnecke. [&#8230;] Man kann Wachstum, Fortschritt, Erfolg, Glück nicht erzwingen. Es gibt nur eine weise Art, mit Pflanzen umzugehen: ihnen zuzuschauen, wie sie wachsen, und den Prozess des Wachsens durch Gießen und Jäten zu unterstützen. Geduldig, behutsam. So kommt der Moment der Ernte ganz spontan, wie von selbst, quasi nach seinem Belieben. &#8218;Das&#8216; ist Effizienz! Wie mit den Pflanzen, so ist es auch mit unserer Lebenszeit. Alles verändert sich, alles ist im Übergang begriffen. [&#8230;] Es gibt immer etwas, was gerade am Keimen und Wachsen ist − und sich hervorragend entwickelt, wenn wir uns nicht vorschnell einmischen, sondern nur hier und da etwas nachhelfen. Kann sein, dass wir in diesem Leben nicht mehr Mutter werden. Vielleicht werden wir in unserem Job nie glücklich. Es ist auch möglich, dass der Mann unseres Lebens einer anderen in die Arme läuft. Das heißt aber nicht, dass wir irgendetwas verpassen. Während wir uns über die verdorrten Pflänzchen ärgern, die wir in unserer Ungeduld aus der Erde gerissen haben, keimen still und leise andere − die wir nur registrieren, wenn wir aufhören, auf die Uhr zu glotzen. (S. 55) Es gibt im Leben kein richtiges Timing. Wann immer Sie eine Sache schaffen, versäumen Sie eine andere. Sie können nicht alles schaffen, aber Sie können lernen, die &#8218;richtigen&#8216; Entscheidungen zu treffen, solche, die Ihnen einen respektvollen Umgang mit Ihrer Lebenszeit ermöglichen. (S. 57) Die moderne Frau ist ein merkwürdiges Wesen. Einerseits traut sie sich einiges zu (die 100 Prozent!), andererseits neigt sie zur systematischen Selbstüberschätzung. Oder, noch schlimmer, zum sogenannten Hochstapler-Syndrom: dem unguten Gefühl, es sei nur eine Frage der Zeit, bis ihre gesammelten Unfähigkeiten enttarnt würden. Man weist sie auf ihre Verdienste im Job hin, und sie sagt: &#8222;Glück gehabt!&#8220; Ihr Chef kürt sie zur Mitarbeiterin des Jahres, und sie sagt: &#8222;Ohne die Hilfe von Jörg und Hanspeter hätte ich es nie geschafft.&#8220; [&#8230;] Aus der falschen Einschätzung, dass sie jederzeit scheitern &#8218;könnte&#8216;, zieht sie den noch falscheren Schluss, dass sie niemals scheitern &#8218;dürfte&#8216;. Was würde man dann von ihr halten? (S. 65) Nicht selten führen diese Verausgabungen in eine Depression, die es manchen Frauen erstmals ermöglicht, die Maschinerie zu stoppen. Kritisch sehe ich allerdings den Ansatz Frau Reinhards, frau würde sich in einer Opferrolle ausruhen. Es gibt unterschiedlichste Gründe, depressiv zu werden. Auch reflektierte Frauen, die sich von ihrer anerzogenen Rolle befreien wollen, sind betroffen. Sehr bereichernd hingegen fand ich die Darstellung der Passivität von Frauen, die grübeln, statt zu handeln (Teil zwei des Buches). Die Autorin betont, dass es hier nicht um produktive Denkprozesse ginge, die wichtig seien, um Sachverhalte zu reflektieren, sondern um zeitvergeudende Denkspiralen, die zu keinem Ergebnis, vielmehr zu einer schwammigen Ausdrucksweise führten. Man kann die Mentalprozesse der Frau von heute mit einer defekten Waschmaschine vergleichen, die bebt, brummt und knarzt, schleudert, schleudert und immer noch schneller schleudert. So wie diese kaputte Maschine durch exzessives Schleudern Kleiderfetzen produziert, so produziert das weibliche Grübeln endlos wiederkehrende Gedankenfetzen, die jeglicher Kohärenz und Konsistenz entbehren. Das Ausmaß der Katastrophe wird offensichtlich, sobald die moderne Frau anfängt zu reden. Anstatt zu sagen: &#8222;Ich schlage vor, wir kürzen unser Budget auf 80 Prozent!&#8220;, sagt sie: &#8222;Meinen Sie, wir sollten eventuell unser Budget kürzen?&#8220; [&#8230;] Aufgrund ihrer fundamentalen Verunsicherung wagt sie es nicht, irgendetwas &#8218;klar&#8216; zu sagen. Lieber lässt sie sich von ihren Grübeleien den Maulkorb anlegen. Sie zieht ihre Sätze mit Erklärungen, Rechtfertigungen, Entschuldigungen und Erlaubnisgesuchen wie Kaugummis in die Länge. Denn Grübeln verträgt sich weder mit klaren Meinungen noch mit klaren Aussagen. (S. 83-84) Die moderne Frau, die sich für durchaus pragmatisch und organisiert hält, ist, ohne es zu wissen, eine Idealistin. Sie glaubt, sie könne sich ihren Grübelexzessen hingeben, ohne dass sie Auswirkungen auf ihr Kommunikationsgeschick hätte. Sie meint, dass sie das, was sie für das Wahre und Richtige hält, nur irgendwie auszusprechen braucht. Sie ist der Überzeugung, dass schon alles gut wird, wenn sie Ja sagt und Sätze von sich gibt, die der Rolle des artigen Mädchens entsprechen. Doch dieser Glaube ist weltfremd. Auf diesem Planeten kann man selten mit dem Wahren und Richtigen punkten − aber immer mit &#8218;Glaubwürdigkeit&#8216;. Nur wer seine Absichten glaubwürdig artikuliert, wird ernst genommen, nur wer ernst genommen wird, wird anerkannt, nur wer anerkannt wird, wird mächtig, nur wer mächtig wird, hört auf zu grübeln. Solange sich die moderne Frau den vorgefundenen Konventionen, Regeln, Gepflogenheiten ohne Rücksicht auf eigene Wünsche und Träume fügt, muss sie in ihrem Grübelgefängnis bleiben. In Einzelhaft, ohne Kontakt zu Außenwelt. Allein mit ihrem Maulkorb, (S. 87-88) In der Anleitung des Kapitels empfiehlt die Autorin unter anderem, nicht alle Personen zu duzen. Ein Rat, der mir sehr am Herzen liegt. Ein &#8222;Sie&#8220; kann nützlich sein bei einem respektvollen Miteinander im Beruf. Duzen Sie nicht immer alle und lassen Sie sich nicht immer von allen duzen. Sie sind schließlich volljährig. Hüten Sie sich davor, sich von Dus, die auf der beruflichen Bühne geäußert werden, verführen zu lassen. &#8222;Du&#8220; suggeriert eine Intimität, die meist gar nicht besteht − gar nicht bestehen dürfte. (S. 93) All diese vorangegangenen Aspekte führen zu der Schwierigkeit bei vielen Frauen, &#8222;Nein&#8220; sagen zu können. Frau Reinhard stellt sehr anschaulich dar, wie gut es manchen Frauen täte, weniger an ihre emotionale Seite zu appelieren, sondern in vielen Situationen einfach mal ihren Verstand mit einzuschalten. Die Frau mit Maulkorb glaubt an den Sprechakt des Jasagens, weil sie an den Zauber gewaltfreier Kommunikation und die Regeln des Fairplay glauben möchte. In einem Universum, in dem gute, vernünftige Menschen das Sagen haben, hat dieser Glaube durchaus seine Berechtigung. In dieser Welt aber, wo sich alles um Macht dreht, wäre es besser, sie glaubte auch an die Strenge logischer Argumentationen. Logik und Rhetorik gehen Hand in Hand: Rhetorik braucht Logik, um glaubwürdig zu erscheinen, etwas zu bewirken, zu überzeugen. Rhetorik ohne Logik ist Demagogie. Die moderne Frau, die in Unkenntnis elementarer logischer Prinzipien lebt, fällt leicht auf rhetorische Tricks herein. Sie wird von jeder Vagheit, jeder Schmeichelei, jeder Drohung so überwältigt, dass sie nur noch ein &#8222;Ja!&#8220; herauspressen kann. Die Frau von heute weiß ganz genau, dass die bestimmte Dinge &#8218;eigentlich&#8216; nicht will, kann aber leider oft die &#8218;Gründe&#8216;  für ihr Nichtwollen nicht benennen. Die Frau, die lieber einen Maulkorb anlegt, als Nein zu sagen, hat in der Regel mit Logik nichts am Hut. Weil sie ihr Nichtwollen nicht begreift, kann sie es nicht begründen, und weil sie es nicht begründen kann, bleibt ihr nichts anderes übrig, als Ja zu sagen. Logisch!? (S. 99) Auch das Wütendsein und ihm Ausdruck zu verleihen will gelernt sein. Hiermit endet Teil zwei des Buches. Im letzten Teil befasst sich Frau Reinhard mit den &#8222;Frauen ohne Schnurrbart&#8220;: wie Frauen sich aus der Unmündigkeit befreien, es mit den Männern aufnehmen können und sich ihren eigenen Nonkonformismus...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p><strong>Ich wünsche für die Frauen keine Macht über Männer, aber die Macht über sich selbst<br />
(MARY WOLLSTONECRAFT)</strong></p></blockquote>
<p>Zum Jahresende habe ich ein Buch gelesen, das bereits länger auf meiner (feministischen) Buchliste stand: <a title="Website Rebekka Reinhard" href="https://rebekkareinhard.de/kleine-philosophie-der-macht-nur-fuer-frauen/" target="_blank">&#8222;Kleine Philosophie der Macht &#8211; nur für Frauen&#8220;</a> von der Philosophin und Autorin Rebekka Reinhard.</p>
<p>Es ist unterteilt in drei große Themenblöcke, angereichert mit praktischen Tipps am Ende eines jeden Kapitels. Ich habe es fast in einem Rutsch durchgelesen und gleich an eine liebe Freundin weiterverliehen, obwohl ich meine &#8222;Aufzeichnungen&#8220; noch nicht abgeschlossen hatte. Vielleicht auch gut, denn mir haben viele Passagen sehr zugesagt, so dass die Zitatfülle sehr dicht ist, und höchstwahrscheinlich noch dichter wäre, hätte ich das Buch noch in den Händen.</p>
<p>Frau Reinhard beginnt im ersten Teil ihres Buches mit dem Hauptproblem vieler Frauen, zu perfektionistisch sein zu wollen, was zu Ohnmacht, Neid, respektlosem Umgang mit der eigenen Lebenszeit und der Angst zu Scheitern führe.</p>
<blockquote><p>Die moderne Frau wird nicht zur Perfektionistin, weil sie es (wirklich) will. Sie wird es aufgrund ihrer Außenlenkung. Weil sie von den anderen anerkannt werden will. Ist ihr Motiv nicht allzu verständlich? Braucht nicht jeder Mensch Anerkennung, egal welchen Geschlechts, welchen Alters, welcher Epoche?  [&#8230;] Wenn man die &#8222;Ich muss&#8220;-Frau &#8218;<em>liked</em>&#8218;, ihre übermenschlichen Leistungen mit &#8222;Super&#8220; quittiert, motiviert man sie ganz und gar nicht, den Schleuderprozess ihrer kleinen grauen Zellen abzustellen und ihre Gedanken in eine andere Richtung zu drehen. Man spornt sie vielmehr an, sich auch weiter konform zu verhalten, nicht auszuscheren und kontinuierlich vor sich hin zu ameisen. [&#8230;] Hinter dem &#8222;Ich muss&#8220; verstecken sich unangenehme Gefühle, die mit den Erwartungen und de Situation anderer Leute zu tun haben. Schuldgefühle. Versagensangst. Stressangst. Angst, nicht mithalten zu können. Im Wettlauf um den Titel der besten Mitarbeiterin, der beliebtesten Kollegin, der empathischsten Ehefrau, der coolsten Mutter nur Platz zwei zu belegen. Und Neid. Neid? Jawohl. Neid auf die Männer, die weniger kämpfen müssen als wir. Und Neid auf die anderen Frauen. Besonders auf die, die irgendwie alles besser machen als wir. Irgendwie immer glücklicher sind. Der Neid ist ein Verwandter der Eifersucht und des Hasses. [&#8230;] Je perfektionistischer die moderne Frau, desto außengelenkter. Begegnet die Außengelenkte einer Frau, die ihr perfekter erscheint als sie selbst, &#8218;muss&#8216; sie sich verletzt, gekränkt fühlen. Was sie durch all ihr Denken und Tun zurückzudrängen versuchte, erfasst sie nun mit voller Wucht: Ohnmacht. Ohnmacht gegenüber denen, die ihr ihre Unzulänglichkeit spiegeln. Ohnmacht aber auch sich selbst, dem eigenen Leben gegenüber. Die Folge dieser demütigenden Erfahrung ist jedoch nicht, dass die Perfektionsarbeiterin alles stehen und liegen lässt und versucht, mächtig zu werden. Die Folge ist vielmehr, dass sie einen Zahn zulegt. Ihre grauen Zellen schleudern wie wild ihre Berechnungen, Bewertungen und Befürchtungen heraus, sie erledigt alles noch schneller, noch gleichzeitiger, noch selbst-beherrschter, noch perfekter. Und immer noch bleibt die echte Anerkennung aus. Obwohl sie nichts tut, als sich anzustrengen &#8230; bis irgendwann nicht mehr alles so &#8222;Super!&#8220; ist. (S. 39-41)</p></blockquote>
<p><span id="more-1505"></span></p>
<p>Anscheinend haben viele Frauen Schwierigkeiten damit, Macht auszuüben, da sie häufig selbst nicht wissen, was sie wollen. Aus einer unsicheren Position ist es verständlicherweise schwierig, Forderungen zu formulieren.</p>
<blockquote><p>Macht hat mich machen zu tun. Und mit machen &#8218;lassen&#8216;. Es geht darum, jemanden etwas tun zu lassen, das &#8218;Ihren&#8216; Zielen und Werten entspricht. Wenn Sie an übersteigertem Perfektionismus leiden, ist dieser Jemand &#8218;Sie selbst&#8216;. Lassen Sie sich einmal selbst machen! Lassen Sie sich gewähren. Überlassen Sie die Macht nicht einer Masse außengelenkter, vereinsamter Hirnloser − erteilen Sie sich selbst die Macht über Ihr Leben. Das ist durchaus machbar. Sie müssen nur wissen, was Sie (wirklich) wollen. (S. 42-43)</p></blockquote>
<p>Frau Reinhard benennt sehr treffend, dass der übersteigerte Perfektionismus (ob im Job oder in der Familie) die Frau von sich selbst ablenkt. Sie reibt sich auf, erhält keine Dank und geht mit ihren eigenen Wünschen und Träumen unter. Die von Kindesbeinen anerzogene Rolle des artigen Mädchens (auf das Frau Reinhard in Teil drei ihres Buches eingeht) führt zu keinem Erfolg, keiner Zufriedenheit.</p>
<blockquote><p>Der übersteigerte Perfektionismus verhindert, dass Sie Ihre wahren Werte und Prioritäten erkennen. Er bewirkt, dass Sie allem und allen gleich viel Wert beimessen − den Kindern, dem Job, dem Partner, den Eltrn, den Schwiegereltern, den anderen Leuten. Allem und allen, außer sich selbst. Natürlich sind Sie frei, sich ganz mit der Rolle der Perfekten zu identifizieren. Aber was ist der Preis? Pseudoanerkennung. Burn-out. Ohnmacht. Wandeln am Abgrund. Unkenntnis der eigenen Person und Ihrer wahren Möglichkeiten. [&#8230;] Sobald Sie anfangen, sich mehr nach Ihren eigenen Zielen und Werten zu richten und weniger nach den vermeintlichen Vorgaben anderer, werden Sie automatisch weniger perfekt sein. [&#8230;] Man wird Sie beneiden, weil Sie freier und mächtiger geworden sind. Weil Sie sich trauen und darauf vertrauen, Sie selbst zu sein. Wenn Leute Sie dafür beneiden, dass Sie die Macht haben, Sie selbst zu sein, und das zu realisieren, was Ihnen wirklich wichtig ist, können Sie stolz auf sich sein. Denn dann verbirgt sich hinter diesem Neid echte Bewunderung, echte Anerkennung. (S. 45-47)</p></blockquote>
<p>Da die Geschwindigkeit, in der viele Frauen ihren Aufgaben nachkommen, nicht ausreicht, da die Perfektion nicht erreichbar ist, strengt sie sich immer mehr an, arbeitet noch schneller, erledigt ihre Aufgaben noch gewissenhafter − und kollabiert irgendwann, wenn sie nicht lernt, einen Gang herunterzuschalten und hinzunehmen, dass sie nicht alles erreichen wird, was sie sich vielleicht einmal erträumt hat. Frau Reinhard erklärt dies anhand des Bildes einer Schnecke.</p>
<blockquote><p>[&#8230;] Man kann Wachstum, Fortschritt, Erfolg, Glück nicht erzwingen. Es gibt nur eine weise Art, mit Pflanzen umzugehen: ihnen zuzuschauen, wie sie wachsen, und den Prozess des Wachsens durch Gießen und Jäten zu unterstützen. Geduldig, behutsam. So kommt der Moment der Ernte ganz spontan, wie von selbst, quasi nach seinem Belieben. &#8218;Das&#8216; ist Effizienz! Wie mit den Pflanzen, so ist es auch mit unserer Lebenszeit. Alles verändert sich, alles ist im Übergang begriffen. [&#8230;] Es gibt immer etwas, was gerade am Keimen und Wachsen ist − und sich hervorragend entwickelt, wenn wir uns nicht vorschnell einmischen, sondern nur hier und da etwas nachhelfen. Kann sein, dass wir in diesem Leben nicht mehr Mutter werden. Vielleicht werden wir in unserem Job nie glücklich. Es ist auch möglich, dass der Mann unseres Lebens einer anderen in die Arme läuft. Das heißt aber nicht, dass wir irgendetwas verpassen. Während wir uns über die verdorrten Pflänzchen ärgern, die wir in unserer Ungeduld aus der Erde gerissen haben, keimen still und leise andere − die wir nur registrieren, wenn wir aufhören, auf die Uhr zu glotzen. (S. 55)</p>
<p>Es gibt im Leben kein richtiges Timing. Wann immer Sie eine Sache schaffen, versäumen Sie eine andere. Sie können nicht alles schaffen, aber Sie können lernen, die &#8218;richtigen&#8216; Entscheidungen zu treffen, solche, die Ihnen einen respektvollen Umgang mit Ihrer Lebenszeit ermöglichen. (S. 57)</p></blockquote>
<blockquote><p>Die moderne Frau ist ein merkwürdiges Wesen. Einerseits traut sie sich einiges zu (die 100 Prozent!), andererseits neigt sie zur systematischen Selbstüberschätzung. Oder, noch schlimmer, zum sogenannten Hochstapler-Syndrom: dem unguten Gefühl, es sei nur eine Frage der Zeit, bis ihre gesammelten Unfähigkeiten enttarnt würden. Man weist sie auf ihre Verdienste im Job hin, und sie sagt: &#8222;Glück gehabt!&#8220; Ihr Chef kürt sie zur Mitarbeiterin des Jahres, und sie sagt: &#8222;Ohne die Hilfe von Jörg und Hanspeter hätte ich es nie geschafft.&#8220; [&#8230;] Aus der falschen Einschätzung, dass sie jederzeit scheitern &#8218;könnte&#8216;, zieht sie den noch falscheren Schluss, dass sie niemals scheitern &#8218;dürfte&#8216;. Was würde man dann von ihr halten? (S. 65)</p></blockquote>
<p>Nicht selten führen diese Verausgabungen in eine Depression, die es manchen Frauen erstmals ermöglicht, die Maschinerie zu stoppen. Kritisch sehe ich allerdings den Ansatz Frau Reinhards, frau würde sich in einer Opferrolle ausruhen. Es gibt unterschiedlichste Gründe, depressiv zu werden. Auch reflektierte Frauen, die sich von ihrer anerzogenen Rolle befreien wollen, sind betroffen.</p>
<p>Sehr bereichernd hingegen fand ich die Darstellung der Passivität von Frauen, die grübeln, statt zu handeln (Teil zwei des Buches). Die Autorin betont, dass es hier nicht um produktive Denkprozesse ginge, die wichtig seien, um Sachverhalte zu reflektieren, sondern um zeitvergeudende Denkspiralen, die zu keinem Ergebnis, vielmehr zu einer schwammigen Ausdrucksweise führten.</p>
<blockquote><p>Man kann die Mentalprozesse der Frau von heute mit einer defekten Waschmaschine vergleichen, die bebt, brummt und knarzt, schleudert, schleudert und immer noch schneller schleudert. So wie diese kaputte Maschine durch exzessives Schleudern Kleiderfetzen produziert, so produziert das weibliche Grübeln endlos wiederkehrende Gedankenfetzen, die jeglicher Kohärenz und Konsistenz entbehren. Das Ausmaß der Katastrophe wird offensichtlich, sobald die moderne Frau anfängt zu reden. Anstatt zu sagen: &#8222;Ich schlage vor, wir kürzen unser Budget auf 80 Prozent!&#8220;, sagt sie: &#8222;Meinen Sie, wir sollten eventuell unser Budget kürzen?&#8220; [&#8230;] Aufgrund ihrer fundamentalen Verunsicherung wagt sie es nicht, irgendetwas &#8218;klar&#8216; zu sagen. Lieber lässt sie sich von ihren Grübeleien den Maulkorb anlegen. Sie zieht ihre Sätze mit Erklärungen, Rechtfertigungen, Entschuldigungen und Erlaubnisgesuchen wie Kaugummis in die Länge. Denn Grübeln verträgt sich weder mit klaren Meinungen noch mit klaren Aussagen. (S. 83-84)</p>
<p>Die moderne Frau, die sich für durchaus pragmatisch und organisiert hält, ist, ohne es zu wissen, eine Idealistin. Sie glaubt, sie könne sich ihren Grübelexzessen hingeben, ohne dass sie Auswirkungen auf ihr Kommunikationsgeschick hätte. Sie meint, dass sie das, was sie für das Wahre und Richtige hält, nur irgendwie auszusprechen braucht. Sie ist der Überzeugung, dass schon alles gut wird, wenn sie Ja sagt und Sätze von sich gibt, die der Rolle des artigen Mädchens entsprechen. Doch dieser Glaube ist weltfremd. Auf diesem Planeten kann man selten mit dem Wahren und Richtigen punkten − aber immer mit &#8218;Glaubwürdigkeit&#8216;. Nur wer seine Absichten glaubwürdig artikuliert, wird ernst genommen, nur wer ernst genommen wird, wird anerkannt, nur wer anerkannt wird, wird mächtig, nur wer mächtig wird, hört auf zu grübeln. Solange sich die moderne Frau den vorgefundenen Konventionen, Regeln, Gepflogenheiten ohne Rücksicht auf eigene Wünsche und Träume fügt, muss sie in ihrem Grübelgefängnis bleiben. In Einzelhaft, ohne Kontakt zu Außenwelt. Allein mit ihrem Maulkorb, (S. 87-88)</p></blockquote>
<p>In der Anleitung des Kapitels empfiehlt die Autorin unter anderem, nicht alle Personen zu duzen. Ein Rat, der mir sehr am Herzen liegt. Ein &#8222;Sie&#8220; kann nützlich sein bei einem respektvollen Miteinander im Beruf.</p>
<blockquote><p>Duzen Sie nicht immer alle und lassen Sie sich nicht immer von allen duzen. Sie sind schließlich volljährig. Hüten Sie sich davor, sich von Dus, die auf der beruflichen Bühne geäußert werden, verführen zu lassen. &#8222;Du&#8220; suggeriert eine Intimität, die meist gar nicht besteht − gar nicht bestehen dürfte. (S. 93)</p></blockquote>
<p>All diese vorangegangenen Aspekte führen zu der Schwierigkeit bei vielen Frauen, &#8222;Nein&#8220; sagen zu können. Frau Reinhard stellt sehr anschaulich dar, wie gut es manchen Frauen täte, weniger an ihre emotionale Seite zu appelieren, sondern in vielen Situationen einfach mal ihren Verstand mit einzuschalten.</p>
<blockquote><p>Die Frau mit Maulkorb glaubt an den Sprechakt des Jasagens, weil sie an den Zauber gewaltfreier Kommunikation und die Regeln des Fairplay glauben möchte. In einem Universum, in dem gute, vernünftige Menschen das Sagen haben, hat dieser Glaube durchaus seine Berechtigung. In dieser Welt aber, wo sich alles um Macht dreht, wäre es besser, sie glaubte auch an die Strenge logischer Argumentationen. Logik und Rhetorik gehen Hand in Hand: Rhetorik braucht Logik, um glaubwürdig zu erscheinen, etwas zu bewirken, zu überzeugen. Rhetorik ohne Logik ist Demagogie. Die moderne Frau, die in Unkenntnis elementarer logischer Prinzipien lebt, fällt leicht auf rhetorische Tricks herein. Sie wird von jeder Vagheit, jeder Schmeichelei, jeder Drohung so überwältigt, dass sie nur noch ein &#8222;Ja!&#8220; herauspressen kann. Die Frau von heute weiß ganz genau, dass die bestimmte Dinge &#8218;eigentlich&#8216; nicht will, kann aber leider oft die &#8218;Gründe&#8216;  für ihr Nichtwollen nicht benennen. Die Frau, die lieber einen Maulkorb anlegt, als Nein zu sagen, hat in der Regel mit Logik nichts am Hut. Weil sie ihr Nichtwollen nicht begreift, kann sie es nicht begründen, und weil sie es nicht begründen kann, bleibt ihr nichts anderes übrig, als Ja zu sagen. Logisch!? (S. 99)</p></blockquote>
<p>Auch das Wütendsein und ihm Ausdruck zu verleihen will gelernt sein. Hiermit endet Teil zwei des Buches.</p>
<p>Im letzten Teil befasst sich Frau Reinhard mit den &#8222;Frauen ohne Schnurrbart&#8220;: wie Frauen sich aus der Unmündigkeit befreien, es mit den Männern aufnehmen können und sich ihren eigenen Nonkonformismus kreieren. Die Autorin ruft auf, sich mit Frauen zusammenzuschließen, die es satt haben, ihre gesellschaftlich gewünschte Rolle zu spielen, und mit Männern, die diese Frauen unterstützen wollen und Männer zur Rede stellen, die sich weiterhin in alten Rollenmustern bewegen.</p>
<p>Die letzte Seite ist Miss Piggy gewidmet, das &#8222;Ferkelmädchen&#8220; aus einfachen Verhältnissen, herangewachsen zu einem feministischen Schwein mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein.</p>
<blockquote><p><strong>Bemitleidet euch nicht selbst, Mädels. Liebt euch selbst und die Welt wird euch lieben. Und wenn ihr euch nicht lieben könnt, dann liebt erstmal mich und macht von da aus weiter.<br />
(MISS PIGGY)</strong></p></blockquote>
<div class="irecommendthis-wrapper"><a href="#" class="irecommendthis irecommendthis-post-1505" data-post-id="1505" data-like="Recommend this" data-unlike="Unrecommend this" aria-label="Recommend this" title="Recommend this"><span class="irecommendthis-count count-zero">0</span> <span class="irecommendthis-suffix"></span></a></div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://dekorinnadeln.de/kleine-philosophie-der-macht/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
