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Schön sein …

Gestatten: Ich bin Feministin. Wenn ich diese Selbstbezeichnung wähle, dann ernte ich oft Verwunderung, Belustigung und manchmal auch Ablehnung. Feminismus, so denken viele, ist spätestens jetzt überflüssig, lächerlich, aberwitzig. Für manche ist die Sache mit der Emanzipation der Frauen sogar schon zu weit gegangen. Das alles würde ich zu gern glauben und mich anderen Dingen im Leben zuwenden. Aber dann merke ich, dass uns Frauen immer noch ein zentrales Recht fehlt: Das Recht ein Mängelwesen zu sein. Da steht ein kleines Kind vor mir, gerade fünf Jahre alt geworden, und es erklärt mir, dass es seine beste Freundin deswegen am liebsten mag, weil sie so schön ist. Dieses Kind ist meine Tochter […].

So beginnt ein inspirierender Artikel aus meiner Lieblings-Wochenzeitung der freitag (Nr. 10 vom 5. März 2015). Die Autorin Katrin Rönicke nimmt Frauenkörper unter die Lupe, beschreibt o.g. frühes Einteilen von „schön“ und „hässlich“, das bereits kleine Mädchen bemerken und verinnerlichen. Weiter geht es um den Zusammenhang von Schlanksein und Einkommen bzw. Karrierechancen, und den Einbußen, die eine Schwangerschaft aufgrunddessen mit sich bringt. Bei Männern spielen diese Aspekte keine Rolle.
Ein aktuelles Thema, dem sich (glücklicherweise) wieder viele Autorinnen, Bloggerinnen widmen. Stoppt den gruseligen Backlash!

Der Artikel endet mit folgenden Worten:

Ich bin Feministin, weil ich das alles nicht will. Ich will, dass meine Tochter Schönheit icht mit Maßen verbindet. Ich will, dass „Vereinbarkeit“ keine Lüge mehr ist. Ich will, dass sie sich den Raum nimmt, den Männern ganz selbstverständlich gegeben wird – egal ob sie dick oder dünn, groß oder klein, Mutter oder kinderlos, brünett und weiblich oder blond und burschikos ist. Kurz: Ich will, dass Männer und Frauen sich gleichermaßen um das Soziale, das Ökonomische und das Politische in der Gesellschaft kümmern. Hand in Hand.