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Schreibtisch

In meinen holzproduktiven Jahren habe ich einiges gebaut. Frisch aus der Tischlerlehre, rein ins Studium, währenddessen konnte ich mein Geld als Gesellin in der Frauenhand-Werkstatt e.V. in Hamburg-Dulsberg verdienen. Zweimal die Woche gab ich jeweils drei Stunden Anleitung für Frauen und Mädchen, die den Werkstoff Holz kennenlernen wollten.
Es war eine tolle Zeit, und ich hatte die Muße, auch für mich viele schöne Dinge zu erstellen, losgelöst von männlichen Blicken auf meine Arbeit.

In diesem Jahr habe ich Abschied von der Werkstatt genommen, was nach zehn Jahren etappenweise geschah. Zunächst durch geographische Ferne, dann durch soziale Aspekte. Einiges hatte sich in der Werkstatt geändert, und die Notwendigkeit, neue Wege zu gehen, um Gelder in die Kasse zu bekommen, waren nicht immer zum Vorteil. Die klassische Anleitung beispielsweise ist weggefallen, die Frauen sind nun mehr auf sich gestellt. Nach wie vor ist es eine unterstützenswerte Einrichtung, eine der wenigen überlebenden feministischen Einrichtungen der 80er Jahre. Frauenautonomie, Kreativität, Kampfgeist und anarchistisches Denken ist nach wie vor zu finden.

Eines meiner größeren Projekte war, einen Schreibtisch für den damals noch frisch verliebten Liebsten zu bauen, angepasst an unsere erste gemeinsame Wohnung, in der wir einen kleinen Raum als Büro auserkoren hatten, nur leider sein Schreibtisch nicht passte. Also baute ich ihm einen solchen, der sich perfekt in die Ecke schmiegte – direkt neben meinen Schreibtisch. Die Bauanleitung erstellte ich in Anlehnung an eine Anleitung aus einem alten Möbelbaubuch aus den 70ern: ein Zargengestell aus Birke-Vollholz mit gedübelten Rahmen und einer verschraubten Vollholzplatte, alles geölt.

Auf dem ersten Bild seht ihr den Fertigungsprozess während der Oberflächenbehandlung (neben einem schönen Blick über die Dulsberger Dächer aus dem dritten Stock des Dulsberghofs).

M3362M-4206
Produktion in der Frauenhand-Werkstatt (Hamburg-Dulsberg) 2005

Auch Jahre später noch ist der Schreibtisch heiß geliebt und fügt sich (etwas nachgedunkelt) weiterhin gut in das Wohngefüge ein. Hier ein Bild aus dem Jahr 2015 in unserer süderelbigen Wohnung.

Schreibtisch
neuer Standort südlich der Elbe, 2015

Aus dem Holzarchiv

Leider kann ich derzeit tischlerisch nicht so viel auf die Beine stellen (im wahrsten Sinne des Wortes). Aber ich habe vieler meiner Entwürfe und Umsetzungen bildlich dokumentiert, und werde sie nach und nach hier in den Blog einfließen lassen.
Den folgenden Tisch auf Rollen war eine Spezialanfertigung für eine frühere Kollegin von mir. Er ist aus Buche-Leimholz mit durchgehender Lamelle gefertigt und hat einen Schubkasten. Auf Wunsch der Auftraggeberin steht die Platte nach hinten ein gutes Stück über und verdeckt somit den darunterliegenden Heizkörper in der Küche.

Bei Interesse schicke ich gerne Materialliste und Zeichnung mit Schnitten.

Seitenansicht
geöffneter Schubkasten, der im geschlossenen Zustand wie die anderen Zargen aussieht
Tisch von unten, hier gut sichtbar: Schubkastenführung und Winkel zur Befestigung der Platte
Schubkasten Draufsicht im geöffneten Zustand
das Ganze noch mal im "Rohbau": hier sind die dünnen Leisten, zwischen denen der Schubkasten läuft, und die später von der Schubkastenfront verdeckt werden, gut sichtbar

Im Header sieht man den Tisch während des Verleimens.