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DIY-Blogs – heile Welt?

Blogs, die Selbstgemachtes/im-Heim-Selbsterstelltes zum Thema haben, sollten aus meiner Sicht kritisch unter die Lupe genommen werden, ob sich dahinter eine Heile-Welt-ich-bin-Zuhause-und-bastele-den-ganzen-Tag-und-mache-die-Wohnung-schön versteckt oder ein einfaches ich-habe-einfach-Freude-am-Selbermachen-und-entspanne-mich-dabei. Obwohl Stricken, Häkeln & Co. extrem retro ist, hat es in seiner Urform immer etwas Hausbackenes. Dies ist zunächst nicht schlimm, da sich jedoch gesellschaftlich leider ebenfalls ein Retro-Trend bemerkbar macht, was Familie und Beruf angeht, sind viele Blogs eher kontraproduktiv und transportieren ein althergebrachtes Bild von Frauen, die sich ganz dem Heim widmen, strahlende Kinder um sich versammeln (alle selbstverständlich von Kopf bis Fuß in selbstgenähter Kleidung) und – sofern sie erwerbstätig sind – auch dies auf wundervolle Weise in ihren Alltag integrieren können. Ich selbst bin kinderlos, habe eine volle Stelle, stelle selber gerne schöne Dinge her, fühle mich jedoch beim Besuchen vieler Blogs fast unter Druck gesetzt beim Anblick der Fülle der Ideen. Teilweise wird ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit dargestellt. Natürlich ist es schön, wenn man kreativ ist, aber müssen sich Frauen, die viel Zeit darauf verwenden, schöne Dinge herzustellen, sich gegenseitig versuchen zu überbieten? Die Produkte, die Fotos werden immer perfekter.
Als Feministin tröste ich mich, euch auf meinem Blog auch Holzprodukte vorstellen zu können. Ohne dies wäre es doch etwas einseitig und zu geschlechterstereotyp.

Angeregt, mir einmal wieder über dieses Thema Gedanken zu machen und einen selbstkritischen Blick zu wagen, wurde ich durch den Artikel „Immer das gleiche Strickmuster“ aus der letzten Ausgabe der Zeitung „der freitag“, die eine Seite ihrer Ausgabe jeweils dem Thema Gender widmet. Bildet euch eure eigene Meinung. Ich bin gespannt!

Mädchen, Mädchen, Mädchen

Schon wieder wurde vor kurzem ein Kind in meinem Freundeskreis zur Welt gebracht – und wieder ein Mädchen. Wie schön!
Da ich schon einmal in meinem Blog über geschlechtsneutrale Kinderkleidung geschrieben habe, möchte ich mich nicht wiederholen und euch gar langweilen. Ich finde das Thema jedoch nach wie vor aktuell.
Gestern sprach ich mit der Mutter der kürzlich geborenen Tochter. Sie war glücklich, dass sie nur wenige rosafarbene Kleidungsstücke zur Geburt geschenkt bekommen hatte, da sie das Geschlecht ihres Kindes bis zu dem Zeitpunkt, wo sie es in den Armen hielt, nicht wusste (und auch nicht vorher wissen wollte). Aus der Verlegenheit heraus waren nun alle Schenkfreudigen um sie herum „gezwungen“, geschlechtsneutrale Farben zu wählen.
Und prompt wurde meine Freundin vor einigen Tagen darauf angesprochen, als sie ihrer Tochter ein blau-weiß gestreiftes Kleidungsstück anzog (das Kind ist noch nicht einmal einen Monat alt!).
Zu diesem Thema ein interessanter Artikel in der Hannoverschen Allgemeinen im letzten Jahr erschienen. Das erwähnte Buch von Lise Eliot habe ich selbst gelesen und kann es wärmstens empfehlen. Es räumt mit Vorurteilen aller Art gründlich auf!

Auch ich habe es bei meinem Geschenk wie üblich mit den Farben gehalten, habe sogar die Farbe blau gewählt, um die Menschheit völlig zu verwirren. Seht selbst …

(Anleitung Babyschuhe: Brigitte 2/94, Babylätzchen: Living at Home)

Häkelmützen-Hype

Seit einiger Zeit begegnen einem an jeder Ecke diese einfach und in scheußlichen Farben gehäkelten Mützen. Im Speziellen meine ich die Werke der Marke „myboshi“. Ich finde Häkelmützen generell nicht schlimm, aber bei diesen genannten Modellen frage ich mich, was sie derart besonders macht, dass alle Welt sie kauft oder nachhäkelt. Vielleicht spielt es eine Rolle, dass zwei Männer sich der Handarbeit gewidmet haben. Da dies leider immer noch ein absolutes Highlight zu sein scheint und Frauen reihenweise zu begeistern sind, sobald ein Kerl die Nadel schwingt, ist der Weg zum Erfolg gesichert.
Wenn die Produktidee zwei Frauen gehabt hätten, wäre der Erfolg nicht annähernd so groß gewesen – dessen bin ich mir ziemlich sicher.
Nun denn, ich freue mich über handarbeitende Männer. Aber alles im Rahmen: wenn ich mich an die Kreissäge stelle oder die Hilti schwinge, erwarte ich auch nicht, dass die Männer reihenweise vor Ehrfurcht erstarren.

Freches Früchtchen statt hellblau

Mit meiner langjährigen Freundin, die ich nun zur Geburt ihres ersten Kindes (ein Sohn) mit fruchtigen Farben beglücke, hatte ich vor einiger Zeit ein interessantes Gespräch über geschlechterstereotype Kinderkleidung.
In einem Meer von rosa und hellblauer Kleidung sei es eine Herausforderung, Hosen und Hemden in kräftigen Farben zu bezahlbaren Preisen zu bekommen, erzählte sie mir. Da die Schwangerschaft voranschritt und sie eher dörflich wohnt, ging meine Freundin dazu über, einen Großteil der Kleidung über das Internet zu bestellen. Bei der Lieferung der Ware entpuppten sich viele Teile als horrormäßig, mit Rüschen und hässlichen Motiven. Auf meine Nachfrage, warum sie sich nicht einfach für etwas Neues entscheiden und die bestellten Teile zurückschicken würde, antwortete sie: „Ach ja, dann schicke ich ein hässliches Teil zurück und bekomme statt dessen ein anderes Hässliches!“. Wie nervig!

Wenn man nun das Glück hat und schöne, geschlechterneutrale Farben für den Nachwuchs gefunden hat, scheint alles in bester Ordnung. Doch bei machen fangen die Probleme jetzt erst richtig an …
Eine Bekannte erzählte nach der Geburt ihrer Tochter, sie sei von einer Frau im Fahrstuhl angegiftet worden, da diese das Geschlecht des Kindes nicht auf den ersten Blick erkennen konnte. Man könne seinem Kind doch keine grüne Kleidung anziehen, da das Geschlecht so nicht eindeutig erkennbar sei. Unverschämtheit!

Ich hoffe für meine Freundin, dass ihr keine giftigen alten Frauen und Männer aufwarten, die sie mit ihren eingefahrenen Denkweisen belästigen. Freche Früchtchen können schließlich Söhne und Töchter sein …

Anleitung für Erdbeermütze über DROPS Design in leicht abgewandelter Form, Schuhe aus BRIGITTE kreativ (Garn: Lana Grossa Cool Wool Merino Big)

Für alle, die sich mehr mit diesem Thema auseinandersetzen möchten, empfehle ich wärmstens das Buch der Erzieherin und Sexualpädagogin Melitta Walter „Jungen sind anders, Mädchen auch : den Blick schärfen für eine geschlechtergerechte Erziehung“. Sehr praxisorientiert und kurzweilig ist es bestens geeignet für Menschen, die sich dem Thema bislang noch nicht genähert haben.