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alles mit Stoff

Stoffrausch

Es sind keine Drogenexperimente hinter der Überschrift zu vermuten, auch wenn der Besuch eines Stoffmarktes sicherlich etwas Rauschhaftes haben kann.

Ich besuchte heute den Stoffmarkt Holland, der in den Niederlanden an mehr als 140 Ständen Stoffe, Schnitte und Kurzwaren anbietet. Seit 2004 ist er auch in Deutschland unterwegs und verkauft in größeren Städten. Im Oktober gibt es zwar einen angekündigten süderelbigen Termin, doch ich hatte heute Hummeln im Hintern und wollte nicht länger warten. Also brach ich am späten Vormittag nach Altona auf, um Ausschau nach schönen Stoffen zu halten.

Wir ihr sehen könnt, bin ich fündig geworden. Die Blumen auf dem ersten Bild haben es leider nicht durch die Jury geschafft (womit ich eine Menge Geld gespart habe). Aber die ebenfalls schönen Stoffe auf dem zweiten Bild kann ich nun Mein nennen.
Den Jeansstoff ergatterte ich an einem Stand, der Jeans-Coupons anbot. Diese hatte ich damals vergeblich gesucht, als ich sie für meine erste selbstgenähte Hose (im Erwachsenenalter) benötigte, bei der ich dann auf einen halbelastischen Baumwollstoff umstieg. Das Coupon hat nun exakt die gewünschte Größe und überdies ein interessantes Gewebe, durchsetzt mit einem gelben Schussfaden, was ihm einen Hauch Nostalgie verleiht.
Der dunkelblaue Stoff mit dem interessanten geometrischen Muster ist ein fester Baumwollstoff, aus dem ich Tischsets nähen werde. Zunächst war ich noch nicht recht entschlossen, ihn zu kaufen. Die Entscheidung wurde mir jedoch in dem Moment abgenommen, als ich eine Frau neben mir sagen hörte „Ich habe es mir überlegt und nehme das ganze Stück. 3,30 Meter für 30 Euro, okay?“ und sah, wie der Verkäufer den von mir anvisierten Stoff griff. Spontan fragte ich die Frau, ob sie den gesamten Stoff brauche, ich hätte ebenfalls Interesse. Sie war sehr glücklich über mein Angebot, und machten wir halbe-halbe. Ich wünschte ihr viel Freude beim Rucksacknähen und unsere Wege trennten sich.

Einen Sweatstoff für meine geplante zweite Jogginghose habe ich leider nicht gefunden, ich konnte zwischen Kindermotiven oder hässlichen Farben und Mustern oder allem zusammen wählen. Im Oktober schaue ich einmal bei unserem Markt vorbei, der dann fußläufig erreichbar sein wird.

Nadelkissen, du treue Seele

Die ganzen Jahre nähe und schreibe ich. Und still und genügsam weilt im Hintergrund – mein Nadelkissen.

Es begleitet mich nun seit gut fünfundzwanzig Jahren, der Körper ist etwas in die Jahre gekommen (was bei Nadelkissen so viel heißt wie: die Watte klumpt ein wenig), aber es leistet mir noch immer einwandfreie Dienste.
Zu der Zeit, als ich meine ersten Nähexperimente durchführte, entstand auch dieses Nadelkissen. Es folgten noch weitere Patchworkprojekte (zu einer Decke hat es allerdings nie gereicht), aber dieses Exemplar hat es über all die Jahre geschafft, an meiner Seite zu bleiben. Vor kurzem habe ich ein wenig „im Nadelkissen“ aufgeräumt, und war doch überrascht, wie viele kopflose Nadeln sich im Laufe der Zeit in der Watte versteckt hielten …

Punkt, Komma, Strich

Der Sommer neigt sich dem Ende.
In meiner letzten Urlaubswoche, die bekanntlich immer meine Produktivste ist, habe ich mich mit verschiedenen Stoffen eingedeckt, um mein bequemes, gut geschnittenes T-Shirt zu reproduzieren. Diese zu erwerben, war jedoch mit leichten Hindernissen verbunden.

Der Laden meines Vertrauens liegt nur wenige Gehminuten weit entfernt. Frisch von unserer Reise kommend, wollte ich nach einem Einkauf im Supermarkt noch einen kurzen Abstecher zum Stoffladen machen. Als dieser in Sicht kam, wunderte ich mich über die ungewöhnlich große Zahl von Menschen, die sich vor dem Geschäft aufhielten. Ein Blick durch das Schaufenster ließ mich kurz schlucken; es handelte sich um eine Schlange, die bis auf die Straße reichte. Ich nahm noch einige „50 %“-Schilder wahr, dachte mir jedoch nicht viel dabei.
Am nächsten Tag das gleiche Spiel. Diesmal sprach ich jedoch mit zwei Frauen, die vor dem Laden standen. Eine von ihnen war bereits mit ihrem Kauf fertig, sie habe, so berichtete sie mir stolz, „anderthalb Stunden angestanden“, obwohl sie schon kurz nach 9 Uhr da war. Ich erfuhr, dass das Geschäft wegen der geplanten Gebäudearbeiten (von denen ich bereits wusste, mir jedoch nicht klar war, dass es derart schnell gehen würde) bald ausziehen müsse, und vorab noch einmal eine große Sonderaktion starte.
Am dritten Tag suchte ich den Laden gegen Mittag auf, obwohl ich mir des Risikos bewusst war, länger anstehen zu müssen. Der Gedanke jedoch, bald ebenfalls stolze Besitzerin von unglaublich günstigen Stoffen zu sein, überwog jedoch. Ähnlich wie die Frau, mit der ich gesprochen hatte, wartete ich eine sehr lange Zeit – beschallt von lauter Radiomusik und umringt von Frauen in verschiedenen Stadien der Schwangerschaft, teilweise mit schreienden Kindern. Am Ende hatte ich drei wunderschöne Stoffe und passendes Nähgarn für unschlagbare 40 EURO erworben und trat beschwingt den Nachhauseweg an.

Am selben und darauffolgendem Tag nähte ich drei T-Shirts in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Den dicksten und am einfachsten zu nähenden Jersey hob ich mir zum Ende auf. Die meiste Zeit verwendete ich auf einen dünnen, gestreiften Jersey, der sich zum einen stark an den Rändern einrollte und zum anderen wegen der Streifen sehr akkurat genäht werden musste. Unterm Strich lief jedoch alles entspannt und fehlerfrei. Das Nähen dieser Kleinserie hatte zudem den Vorteil, dass ich spätestens beim dritten Oberteil nicht mehr über die Reihenfolge der Schritte nachdenken musste.

Das gelbe Pünktchen habe ich bereits getragen und freue mich bereits auf die anderen beiden.

Vernachlässigte Wolle

Das erste Mal seit vielen Jahren, in denen ich intensiv stricke, ertappe ich mich dabei, dass ich keine Lust habe, meine Nadeln in die Hand zu nehmen. Dafür fühlt sich das Nähen gerade viel besser und leichter an.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich in der letzten Zeit eine Reihe an Näherfolgen hatte — einmal bedingt durch einfache, leicht umzusetzende Schnitte, guten Stoff und dann durch die Routine, die sich einstellt.

Mein letztes Werk ist der Rock Annalisa von schnittchen.com, dessen Schnitt ich längere Zeit nicht anrührte, da mir das dazugehörige T-Shirt im Nachhinein so wenig gefiel. Nach vielen Jersey-Näherfahrungen wollte ich mal wieder mit einfachem Baumwollstoff arbeiten: rollt sich nicht, lässt sich besser schneiden und bügeln. Ein lässiger Spaziergang!

Ich entschied mich für einen marineblauen Stoff sowie türkisfarbenen Stoff für die Taschenbeutel. Der Rock war schnell und problemlos genäht. Das Gummiband hatte ich zunächst etwas großzügig bemessen, nach kurzer Korrektur hatte es dann die passende Länge.

Zwei Bilder, zwei Farbtöne:

das erste Bild ist drinnen aufgenommen und entspricht dem eigentlichen Farbton. Auf dem zweiten Bild seht ihr mich dafür im Sonnenschein mit passender(er) Garderobe.

Gute Nacht

Es ist bereits eine Weile her, dass ich eine schöne Anleitung für ein Nachthemd entdeckte. Es stammt aus dem Magazin Hygge (No. 1.2017) und war eine ganze Zeit als kostenloses PDF verfügbar.


Durch die letzten Projekte etwas geübter im Umgang mit Jersey (insbesondere dem Erstellen sauber genähter Kragen) kaufte ich mir einen leichten türkis-blau-gestreiften Sommerjersey und legte los.
Wie ihr auf dem Foto sehen könnt, ist das Nachthemd etwas länger geschnitten und hat einen runden Saum. Praktisch für ein Wochenende in Schlabberklamotten: in den großen Taschen kann man allerlei unterbringen.

Ich habe es bereits ein paar Tage getragen und kann berichten, dass ich darin zwar keinen Schönheitspreis erhalten würde, das sackartige Äußere jedoch erheblich zur Bequemlichkeit beisteuert. Schöne Träume euch allen!